Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 048 - 14.10.2015

Ausbildungsreport 2015: Ausbildung besser machen!

Überstunden ohne Ausgleich, fehlende Betreuung, mangelnde Perspektiven  – dies sind Ergebnisse des Ausbildungsreports, den der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zum vierten Mal in Niedersachsen vorstellt. Seinen Schwerpunkt legt der Report auf Azubis mit Migrationshintergrund: Sie haben generell einen schlechteren Zugang zur dualen Ausbildung, so der Befund.

40,3 Prozent der Auszubildenden müssen regelmäßig Überstunden machen.

40,3 Prozent der Auszubildenden müssen regelmäßig Überstunden machen. DGB

Rund 40 Prozent der Auszubildenden in Niedersachsen müssen regelmäßig Überstunden leisten, und zwar im Schnitt 4,2 Stunden je Woche. Jeder Zehnte bekommt dafür weder Bezahlung oder Freizeit als Ausgleich, obwohl dies vorgeschrieben ist. 14 Prozent der Befragten werden selten oder nie durch ihren Ausbilder betreut. Ein knappes Drittel weiß nicht, ob sie im Anschluss an ihre Ausbildung übernommen werden. Nur gut die Hälfte der Auszubildenden findet den Berufsschulunterricht „sehr gut“ oder „gut“.

Nur knapp 30 Prozent wusssten zum Zeitpunkt der Befragung, ob sie im Anschluss an ihre Ausbildung übernommen werden.

Nur knapp 30 Prozent wusssten zum Zeitpunkt der Befragung, ob sie im Anschluss an ihre Ausbildung übernommen werden. DGB

Auch wenn die meisten Auszubildenden (76,3 Prozent) mit ihrer Ausbildung zufrieden sind, blieben große Baustellen, betont Ruben Eick, Leiter der Abteilung Jugend beim DGB-Bezirk Niedersachsen - Bremen - Sachsen-Anhalt: „Immer noch werden Auszubildende als billige Arbeitskräfte missbraucht. Teilweise verstoßen Betriebe sogar gegen Arbeitsschutzgesetze. Sie müssen dringend an ihrer Ausbildungsreife arbeiten.“ Das Land müsse für bessere Ausstattung und Unterrichtsversorgung an den Berufsschulen sorgen, meint der Gewerkschafter: „Sonst werden Berufsschulen als Schulen zweiter Klasse abgehängt.“

Junge Menschen mit Migrationshintergrund müsen seltener in ihren Wunschberuf ein.

Junge Menschen mit Migrationshintergrund müsen seltener in ihren Wunschberuf ein. DGB

Knapp 20 Prozent der befragten Jugendlichen haben einen Migrationshintergrund. Sie finden seltener ihre Wunschausbildung aus Auszubildende ohne Migrationshintergrund (67,1 Prozent im Gegensatz zu 82,7 Prozent). Und: 8,1 Prozent von ihnen empfanden es als „sehr schwer“, den eigenen Ausbildungsplatz zu finden, während dies nur für 1,4 Prozent Azubis ohne Migrationshintergrund zutrifft. DGB-Bezirksjugendsekretär Ruben Eick kritisiert: „Diskriminierung und Ausgrenzung haben in Betrieben nichts zu suchen. Die Arbeitgeber müssen bessere Antidiskriminierungspolitik betreiben.“

Auszubildenden ohne Migrationshintergrund fiel es leichter, ihren Ausbildungsplatz zu finden.

Auszubildenden ohne Migrationshintergrund fiel es leichter, ihren Ausbildungsplatz zu finden. DGB

Der Vorsitzende des DGB-Bezirks Niedersachsen – Bremen – Sachsen-Anhalt Hartmut Tölle bedauert, dass viele Unternehmen immer noch zu wenig in die Qualität der Ausbildung junger Menschen investieren: „Anscheinend haben einige Betriebe die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Nur wer muss junge Menschen qualifiziert ausbildet und ihnen eine langfristige Perspektive bietet, sichert Fachkräfte für die Zukunft.“ Der DGB-Vertreter fordert, Missstände in Betrieben konsequenter zu beseitigen: „Arbeitgeber und Behörden müssen die Beschwerden der Auszubildenden ernst nehmen. Gravierende Mängel und Verstöße müssen klare Sanktionen zur Folge haben. In letzter Konsequenz muss es auch Strafzahlungen oder eine Entziehung der Ausbildungsberechtigung geben.“

An der repräsentativen Befragung der Gewerkschaftsjugend haben sich 688 Auszubildende aus 17 der häufigsten Ausbildungsberufen im Zeitraum von September 2014 und April 2015 beteiligt. Es wurden Auszubildende aus allen Ausbildungsjahren und aus Betrieben unterschiedlichster Größe befragt. Der Ausbildungsreport wurde in Zusammenarbeit mit dem Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz (ism) erstellt.


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