Deutscher Gewerkschaftsbund

02.07.2011

Ausbeutung und Widerstand in der globalen Textilindustrie

Frauen-Sommertagung 2011

Die Teilnehmerinnen der Frauen-Sommertagung beschäftigten sich in diesem Jahr mit der Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign). Diese engagiert sich seit Jahren transnational für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der globalen Textilindustrie. Christiane Schnura von der Kampagne für Saubere Kleidung stellte die Arbeitsbedingungen in der globalen Textilindustrie dar.

Die Arbeitsbedingungen in der globalen Textilindustrie sind geprägt von niedrigen Löhnen, langen Arbeitszeiten und mangelnden Arbeitsrechten. Die niedrigen Preise von die Bekleidung und Sportschuhen lassen sich nur durch ausbeuterische Arbeitsverhältnisse in Ländern wie Bangladesh oder Indonesien realisieren. Durch Auslagerung werden Produktionsschritte an Dritte abgegeben; die Auftraggeber können so nicht nur Kosten reduzieren, sondern sich auch aus der Verantwortung stehlen, sollte es zu Menschenrechtsverletzungen durch die Unternehmen kommen.

AktivistInnen aus Nord und Süd kämpfen dafür, dass die Einhaltung von arbeitsrechtlichen Mindeststandards entlang der gesamten Zulieferkette in der Verantwortung des Mutterkonzerns liegt. Fast ausschließlich sind es Frauen, die unter oft unmenschlichen Bedingungen die so beliebte Markenkleidung herstellen. Die Annahme scheint zu sein, dass arbeitende Frauen sich nicht organisieren und keinen Widerstand gegen solche Arbeitsbedingungen leisten. Doch dem Mythos von Geschick und Gefügigkeit setzen immer mehr Frauen-NGOs und Gewerkschaften teils auch transnationale Organisierungsprozesse entgegen.

Die internationale „Clean Clothes Campaign“  entstand 1990 auf Initiative verschiedener Organisationen in den Niederlanden und verbreitete sich 1995 weiter in Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Österreich, Schweden, der Schweiz und Spanien. In Deutschland hat sich die Kampagne für „Saubere“ Kleidung im Sommer 1996 gegründet. Von Anfang an arbeiteten kirchliche Organisationen, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen aus dem entwicklungspolitischen Spektrum eng zusammen.

Politischer Globus

DGB/Witrin(Best Sabel)

Sauber heißt sozialverträglich

Die Kampagne für Saubere Kleidung richtet sich gegen schmutzige Geschäfte mit der Ausbeutung von Frauen.

Sie will
• bessere Arbeitsbedingungen in der weltweiten Bekleidungsproduktion erreichen.
• den Einzelhandel zur Einhaltung von Mindeststandards entlang seiner Beschaffungswege verpflichten.
• in konkreten Fällen von Arbeits- oder Menschenrechtsverletzungen die Beschäftigten durch europäisch abgestimmte Eilaktionen unterstützen.
• VerbraucherInnen über bestehende Verhältnisse in der Produktion informieren.

In enger Kooperation mit Organisationen in südlichen Ländern erarbeitete sie den „Arbeitsverhaltenskodex für die Bekleidungsindustrie einschließlich Sportkleidung“, der sich auf Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) stützt und folgendes festschreibt: Organisationsfreiheit, Recht auf Tarifverhandlungen, Verbot von Zwangsarbeit, Mindestalter, Antidiskriminierung, angemessenen Lohn, Arbeitsstundenregelung, Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz.
Die Kampagne fordert den Bekleidungshandel auf, ihren Arbeitsverhaltenskodex zu unterzeichnen und die Einhaltung dieser Standards von einer unabhängigen Institution kontrollieren zu lassen.

Weitere Informationen zur Kampagne unter www.saubere-kleidung.de.


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