Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 038 - 04.10.2019

Teure Tarifflucht: Niedersachsen entgehen 4,7 Milliarden Euro pro Jahr

DGB-Berechnungen zeigen Kosten der Tarifflucht für die Allgemeinheit

In Niedersachsen halten sich immer weniger Unternehmen an Tarifverträge. Mittlerweile sind nur noch ein Drittel aller niedersächsischen Betriebe tarifgebunden. Neue Berechnungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zeigen, dass dies nicht nur für die Beschäftigten immense Nachteile hat, sondern auch der Allgemeinheit viel Geld kostet. In Niedersachsen entgehen dem Staat durch Tarifflucht und Lohndumping jährlich 2,9 Milliarden Euro für die Sozialversicherungen sowie 1,8 Milliarden Euro an Einkommensteuer. Das sind insgesamt 4,7 Milliarden Euro pro Jahr. Die mangelnde Tarifbindung wirkt sich darüber hinaus unmittelbar auf die Kaufkraft der arbeitenden Bevölkerung aus: Mit flächendeckender Tarifbindung hätten die Beschäftigten in Niedersachsen rund 4 Milliarden Euro mehr pro Jahr im Portemonnaie.

„Während Unternehmen ihre Taschen vollstopfen, haben Beschäftigte weniger Netto in der Lohntüte. Staat und Sozialwesen gehen leer aus. Wenn der Staat Lohndumping und Tarifflucht ermöglicht, dann schadet das sowohl den Beschäftigten als auch dem Staat und somit der Allgemeinheit“, sagte Mehrdad Payandeh, Vorsitzender des DGB in Niedersachsen. „Was der Gemeinschaft durch die anhaltende Tarifflucht der Unternehmen entgeht, sind keine Peanuts. Das Geld wird gebraucht für den sozialen Ausgleich, für Investitionen in Infrastruktur und in Bildung. Eine hohe Tarifbindung stärkt außerdem die Binnennachfrage, sorgt für einen fairen Wettbewerb, stabilisiert die Wirtschaft vor Ort und sichert gute Arbeit.“

Für die Beschäftigten verschlechtern sich durch die grassierende Tarifflucht die Arbeitsbedingungen. Ob Gehalt, Urlaub, Sonderzahlungen, Arbeitszeiten, Kündigungsfristen oder betriebliche Altersversorgung – Beschäftigte mit tarifvertraglich geregelter Arbeit stehen besser da als Beschäftigte in Betrieben ohne Tarifbindung. „Die Unternehmen müssen sich angesichts dessen die unbequeme Frage nach ihrer sozialen Verantwortung gefallen lassen“, so der DGB-Bezirksvorsitzende.

Der DGB fordert seit langem, dass öffentliche Aufträge und Fördergelder nur noch an tarifgebundene Unternehmen vergeben werden. „Wo öffentliches Geld fließt, müssen Tarifverträge gelten. Der Staat darf Lohndumping und Tarifflucht nicht mit öffentlichen Aufträgen belohnen. In Niedersachsen wurde das Tariftreue- und Vergabegesetz zuletzt immer weiter ausgehöhlt. Die Landesregierung darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Sie  muss Arbeitgebern, die sich Tarifverträgen entziehen, endlich die rote Karte zeigen“, betonte Payandeh.

Weiterführende Informationen:

Die Zahlen stammen aus einer Berechnung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), der die letzte Verdienststrukturerhebung (VSE) nach Beschäftigten mit und ohne Tarifbindung des Statistischen Bundesamts zugrunde liegt.

Forderungen zur Stärkung der Tarifbindung auf einen Blick: https://www.dgb.de/-/Z9E
Weitere Informationen zum DGB-Zukunftsdialog: https://www.dgb.de/zukunftsdialog

Kosten Tarifflucht


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