Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 032 - 11.10.2007

DGB: Keine Entwarnung auf dem Ausbildungsstellenmarkt

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Niedersachsen sieht trotz leicht positiver Tendenz auf dem niedersächsischen Ausbildungsmarkt keinen Anlass zur Entwarnung. DGB-Landesvorsitzender Hartmut Tölle sagte: "Es ist erfreulich, dass es mehr Ausbildungsverträge und mehr gemeldete Stellen als im Vorjahr gibt. Aber diese Tendenz ist konjunkturell bedingt. Immer noch bilden nur 23 Prozent der Betriebe und Unternehmen aus." Zwischen gemeldeten Bewerberinnen und Bewerbern (70.932) und gemeldeten Ausbildungsstellen (47.609) klafft nach wie vor eine große Lücke. "Über 23.000 Ausbildungsplätze fehlen in Niedersachsen. Viele Jugendliche weichen deswegen in Warteschleifen aus und verschwinden so aus der Statistik, obwohl sie dringend einen Ausbildungsplatz suchen", sagte Hartmut Tölle. Im letzten Jahr sind laut Bundesinstitut für Berufsbildung bundesweit 384.000 Jugendliche mangels Lehrstelle in eine derartige Alternative geflüchtet. Das ist fast jeder zweite Bewerber, in Niedersachsen also schätzungsweise rund 35.000 Jugendliche. Als gravierend bewertet der DGB die deutliche Zunahme der so genannten Altbewerber aus früheren Schulabgangsjahren. Sie machen mittlerweile mehr als die Hälfte aller gemeldeten Bewerber aus. Ihr Anteil ist im Vergleich zum September 2006 um 5 Prozent auf 34.570 angestiegen. Hartmut Tölle sagte: "Durch den Ausbildungsplatzmangel droht gewaltiger gesellschaftlicher Sprengstoff. Die Jugendlichen brauchen ein auswahlfähiges Angebot an Ausbildungsplätzen." Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1980 bedeutet dies, dass 12,5 Prozent mehr Ausbildungsplätze angeboten werden sollen, als es Bewerber gibt. Das ist bei Weitem nicht erreicht. Der DGB tritt deshalb für eine gesetzliche Ausbildungsplatzumlage und einen einklagbaren Rechtsanspruch auf Ausbildung ein. Hartmut Tölle: "Das duale System trocknet seit Jahren aus. Wir fordern, dass sich alle Betriebe, Unternehmen und Verwaltungen entweder an der Ausbildung oder an den Ausbildungskosten beteiligen. Die Finanzierung von Ausbildung wird durch eine Umlagefinanzierung gerechter."

Frank Ahrens, Abteilungsleiter der DGB-Jugend, verweist darauf, dass laut DGB-Ausbildungsreport 2007 oft auch die Qualität der Berufsausbildung zu wünschen übrig lässt. Er sagte: "Mangels Alternativen nehmen viele Jugendliche schlechte Ausbildungsbedingungen in Kauf." Die DGB-Jugend hat bundesweit Auszubildende zu ihren Ausbildungsbedingungen und Zukunftsperspektiven befragt. Die Bedingungen, unter denen Jugendliche heutzutage ihre Ausbildung absolvieren, sind teilweise sehr schlecht, so das Ergebnis der Studie. Mehr als ein Viertel aller befragten Jugendlichen müssen zum Beispiel regelmäßig Überstunden machen, teilweise bis zu sechs Stunden pro Woche. Alarmierend ist auch, dass fachliche Anleitung während der Ausbildung keine Selbstverständlichkeit ist. Fast ein Drittel der Befragten gibt an, nur "manchmal, "selten" oder "nie" angeleitet zu werden. Und immerhin noch jeder fünfte Auszubildende gibt an, ausbildungsfremde Tätigkeiten auszuführen zu müssen. Ahrens fordert, die Ausbildereignungsverordnung (AEVO) wieder in Kraft zu setzen: "Die AEVO wurde vor vier Jahren außer Kraft gesetzt; in der Hoffnung, dass so mehr Lehrstellen entstehen. Ausbilden kann seitdem jeder, der einen Berufsabschluss hat. Das halten wir für unverantwortlich."


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