Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 049 - 29.11.2019

Ausbildungsreport 2019: Auszubildende besser auf Arbeit 4.0 vorbereiten!

Viele Auszubildende sehen sich durch ihre Berufsausbildung nur unzureichend auf die digitale Arbeitswelt vorbereitet. Das belegen Zahlen des neuen Ausbildungsreports der DGB-Jugend für Niedersachsen und Bremen. Zwar geben rund 80 Prozent der Befragten an, dass Digitalisierung und Automatisierung in ihrer Ausbildung wichtig oder sehr wichtig sind. Doch nur knapp die Hälfte wird gezielt dafür qualifiziert, digitale Technologien zu nutzen. Mit der Dauer der Ausbildung sinken diese Werte sogar noch. Auszubildende in kleineren Betrieben fühlen sich generell schlechter vorbereitet als in Großunternehmen. Die digitale Ausstattung ihrer Berufsschule beurteilt nur ein Drittel der Auszubildenden als sehr gut oder gut.

Grafik zur Digitalisierung in der Ausbildung

DGB

Ute Neumann, Leiterin der Abteilung Jugend beim DGB-Bezirk, sagte: „Arbeitswelt 4.0 braucht Ausbildung 4.0. Berufsschulen und Betriebe haben noch einiges nachzuholen. Zum einen müssen die Ausbildungsinhalte in allen Berufen modernisiert werden. Zum anderen müssen die beruflichen Schulen schnellstens besser ausgerüstet werden mit digitaler Ausstattung, ausreichend Lehr- und technischem Fachpersonal und einer guten Breitbandanbindung.“

Grafik Vorbereitung auf die Anforderungen der Digitalisierung

DGB

Laut Ausbildungsreport gibt es generell nach wie vor große Probleme bei der Qualität der Ausbildung. Über ein Drittel aller Befragten muss regelmäßig Überstunden machen. Fast jeder zehnte Jugendliche unter 18 Jahren muss mehr als 40 Stunden in der Woche arbeiten, obwohl dies verboten ist. Mehr als jeder Sechste gab an, Berufsschulunterricht im Betrieb nacharbeiten zu müssen. Ute Neumann betonte: „Das ist eine große Belastung für die Betroffenen. Die Betriebe müssen sich an geltende Gesetze halten. Ausbildung ist ein Lernverhältnis. Auszubildende dürfen nicht als billige Arbeitskräfte missbraucht werden.“

Besonders gravierend sind die Mängel seit Jahren bei den FachverkäuferInnen im Lebensmittelhandwerk, etwa in Fleischereien und Bäckereien. Fast die Hälfte der Befragten bekommt dort keinerlei Ausgleich für geleistete Überstunden, obwohl sie im Schnitt fast 7 Stunden mehr pro Woche arbeiten. Über die Hälfte arbeitet an mehr als 5 Tagen pro Woche, im Durchschnitt trifft das gerade einmal auf 5 Prozent aller Auszubildenden zu. Fast die Hälfte der Auszubildenden hat Probleme, sich nach der Arbeit zu erholen.

Grafik Überstunden in der Ausbildung

DGB

Dr. Mehrdad Payandeh, Vorsitzender des DGB-Bezirks Niedersachsen – Bremen – Sachsen-Anhalt, erklärte bei der Vorstellung des Reports in Hannover: „Der Ausbildungsmarkt fällt zunehmend in parallele Welten. Auf der einen Seite gibt es Jugendliche mit schlechten Chancen, auf der anderen unbesetzte Ausbildungsplätze. Wo der Ton rüde ist und schlechte Ausbildungsbedingungen herrschen, müssen sich die Arbeitgeber endlich deutlich anstrengen. Sonst wird es ihnen schwer fallen, Nachwuchskräfte zu finden. Er forderte, dass Niedersachsen Vorreiter bei der assistierten Ausbildung wird: „Sie ist das einzige Instrument, das sowohl Jugendliche als auch Betriebe unterstützt und eine rein betriebliche Ausbildung bietet.“

An der repräsentativen Befragung der DGB-Jugend haben sich knapp 2.400 junge Menschen in Niedersachsen und Bremen aus den 21 am häufigsten gewählten Ausbildungsberufen beteiligt. Es wurden Auszubildende aus allen Ausbildungsjahren und Betrieben unterschiedlichster Größe befragt. Der DGB hat den Ausbildungsreport in Zusammenarbeit mit dem Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz (ism) erstellt. Da der Arbeits- und Ausbildungsmarkt beider Länder stark miteinander verschränkt ist und es zudem große Pendlerbewegungen gibt, wurde ein gemeinsamer Report erstellt.


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