Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 043 - 10.12.2018

Druck, Überstunden und wenig Erholung für viele Azubis Alltag

Ein Drittel der Auszubildenden in Niedersachsen muss regelmäßig Überstunden machen, im Schnitt knapp 4 Stunden pro Woche. Viele bekommen dafür weder Freizeitausgleich noch Bezahlung. Etwa ein Viertel der jungen Menschen hat Probleme, sich nach der Ausbildung zu erholen. Mehr als ein Drittel weiß nicht, ob sie im Anschluss an die Ausbildung eine Perspektive im Betrieb haben. Das sind die zentralen Ergebnisse des Ausbildungsreports, den die Jugendorganisation des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zum siebten Mal in Niedersachsen vorstellt.

Grafik zur Häufigkeit von Überstunden

DGB

Für den Report hat die DGB-Jugend im Rahmen ihrer Berufsschultour Jugendliche aus Niedersachsen und Bremen befragt, wie zufrieden sie mit ihrer Ausbildung sind. Im Fokus stand in diesem Jahr die Gestaltung der Arbeitszeit. Die Ergebnisse: Mehr als die Hälfte muss in ihrer Freizeit für den Betrieb mobil erreichbar sein, nur ein gutes Drittel erhält dafür Ausgleich. Bei vielen Auszubildenden wird die gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit nicht eingehalten. Betroffen sind mit 43,2 Prozent vor allem Auszubildende, die Schichtarbeit leisten.

Grafik Erreichbarkeit

DGB

Die Auszubildenden im Handel sind besonders unzufrieden, zeigt der Report. Nur knapp die Hälfte will später im erlernten Beruf weiterarbeiten. Besondere Probleme bereiten den Auszubildenden die Anforderungen ihrer Arbeitgeber an die Arbeitszeit. Ein Viertel muss die Berufsschulzeit nacharbeiten, 40 Prozent ihr Berichtsheft außerhalb der Arbeitszeit führen. Der Ausbildungsplan wird bei fast einem Viertel der Befragten nicht eingehalten.

Grafik Zufriedenheit

DGB

Dr. Mehrdad Payandeh, Vorsitzender des DGB-Bezirks, sagte bei der Vorstellung des Reports in Hannover: „Rund 70 Prozent der Befragten sind mit ihrer Ausbildung zufrieden, das ist gut. Aber es gibt immer noch zu viele schwarze Schafe, die Auszubildende schlecht betreuen oder als billige Arbeitskraft ausnutzen.“ Er kritisierte, dass in den betroffenen Branchen zu wenig getan werde, um die Ausbildungsbedingungen nachhaltig zu verbessern: „Seit Jahren stellen wir große Mängel fest. Viele brechen frustriert ihre Ausbildung ab.“ Deshalb brauche es eine Qualitätsoffensive der Betriebe. Die Landesregierung müsse an den Berufsschulen für mehr Personal sorgen und sich auf Bundesebene für ein modernes Berufsbildungsgesetz einsetzen, das die Rechte der Auszubildenden besser verankert.

Grafik Erholen nach der Arbeit

DGB

Ute Neumann, Leiterin der Abteilung Jugend beim DGB-Bezirk, betonte: „Unsere Auswertung zeigt, dass viele Auszubildende unter Flexibilisierungsdruck, Überstunden und ständiger Erreichbarkeit leiden. Ausbildung ist kein Arbeits- sondern ein Lernverhältnis. Leider müssen wir seit Jahren feststellen, dass es Verstöße von Seiten der Arbeitgeber gegen Vorschriften und Gesetze gibt. Es kann nicht sein, dass Azubis die Quittung für eine schlechte Organisation ihres Betriebs bekommen.“

David Matrai, Landesfachsekretär Groß- und Außenhandel, ver.di Niedersachsen-Bremen, erklärte: „Mit rund 17.000 Auszubildenden in Niedersachsen ist der Handel eine bedeutende Branche. Der Ausbildungsreport zeigt ganz klar, dass der Handel im Vergleich zu anderen Berufsgruppen deutlich schlechter abschneidet. Die Arbeitgeber müssen dringend die Ausbildungsqualität verbessern, die Vergütungen erhöhen und den Ausgelernten eine Perspektive bieten. Sonst laufen ihnen weiterhin die Leute weg. Der häufig beklagte Fachkräftemangel ist hausgemacht.“

An der repräsentativen Befragung der Gewerkschaftsjugend haben sich über 1.485 Auszubildende aus 20 der häufigsten Ausbildungsberufe im Zeitraum von September 2017 und Mai 2018 beteiligt. Es wurden Auszubildende aus allen Ausbildungsjahren und Betrieben unterschiedlichster Größe befragt. Der DGB hat den Ausbildungsreport in Zusammenarbeit mit dem Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz (ism) erstellt. Da der Arbeits- und Ausbildungsmarkt beider Länder stark miteinander verschränkt ist und es zudem große Pendler-bewegungen gibt, wurde ein gemeinsamer Report für Niedersachsen und Bremen erstellt.


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