Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 028 - 16.06.2022

ver.di und DGB fordern konzertierte Aktion für Niedersachsens Kitas

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Niedersachsen und der ver.di-Landesbezirk Niedersachsen-Bremen fordern anlässlich des Kita-Gipfels, den Kultusminister Tonne am Mittwoch einberufen hat, eine qualitative Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Kitas und Krippen.

DGB und ver.di reagieren auf den Vorschlag des Nds. Städtetags mit Unverständnis. Dieser hatte gefordert, die Gruppen in Kitas und Krippen dauerhaft zu vergrößern, ohne jedoch mehr Personal einzuplanen.

Schon jetzt besteht ein massiver Fachkräftemangel im frühkindlichen Bildungsbereich. Viele Erzieher*innen verlassen ihren Beruf, weil die Arbeitsbedingungen katastrophal sind. Damit ist der viel beklagte und wirkliche problematische Fachkräftemangel hausgemacht. Zwei Jahre Coronabetrieb haben an der Gesundheit und den Kräften der Kitabeschäftigten gezehrt.

Detlef Ahting, Landesbezirksleiter von ver.di Niedersachsen-Bremen, fordert eine politische Kehrtwende in der Bildungspolitik: „Es gilt weiterhin, dass Kindern auf der Flucht in Niedersachsen grundsätzlich Möglichkeiten zur Betreuung angeboten werden müssen. Dabei gibt es durchaus Einrichtungen im Land, in denen die Gruppen noch nicht mit 26 Kindern aufgestockt wurden, in denen also noch Platz ist. Aber auch dort ist die Integration von Geflüchteten sehr herausfordernd und nur mit entsprechender Qualifikation zu leisten. Insbesondere in Ballungsräumen ist die Lage eine andere. Dort müssen Kinder abgewiesen und ihren Eltern erklärt werden, warum andere Kinder den Vorzug bekommen. Die Beschäftigten arbeiten schon jetzt über ihrer Belastungsgrenze. Wir brauchen von den Trägern und den Kommunen endlich eine belastbare Datenbasis über die genaue Verteilung der ukrainischen Kinder und der Aufstockung der Gruppen nach der Notverordnung in Niedersachsen, um zu prüfen, ob eine Differenzierung vorgenommen werden kann. Wir fordern zudem, dass Beschäftigten in den Einrichtungen künftig rechtzeitig mit mindestens mit einer Woche Vorlauf mitgeteilt wird, auf welche neuen Herausforderungen sie sich einstellen müssen. Das gilt auch für gegebenenfalls erforderliche Corona-Maßnahmen.“

Ver.di und DGB fordern eine konzertierte Aktion, um den Fachkräftemangel in den Kitas zu überwinden. Dabei gilt es auch, die Ausbildung zu verbessern, ohne die Qualitätsstandards zu verwässern.

Dr. Mehrdad Payandeh, Vorsitzender des DGB Niedersachsen, weist darauf hin, dass es im Kita-Bereich schon lange brennt: „Die Beschäftigten sind mit Herzblut bei der Sache. Aber nach zwei Jahren Coronabetrieb sind auch sie am Rande ihrer Kräfte. Das Fass ist schon längst übergelaufen – bald kippt es um. Über die Bedürfnisse der Kinder wird schon lange nicht mehr geredet. Wir fordern die Landesregierung dazu auf, sich endlich zur zentralen Bedeutung von Bildung zu bekennen und das auch finanziell abzubilden. Alle Hebel müssen in Bewegung gesetzt werden, um Fachkräfte auszubilden, einzustellen und zu halten. Das sind wir den Beschäftigten und unseren Kindern schuldig.“


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