Deutscher Gewerkschaftsbund

30.11.2023
#schlaglicht 40/2023

Energiewende im Norden: Transformation braucht günstigen Strom

Der Norden hat beste Voraussetzungen, um Hotspot der Transformation zu sein. Aber obwohl dort viel erneuerbare Energien produziert werden, sind die Strompreise durch verschiedene Regularien und Restriktionen proportional höher. Das #schlaglicht 40/2023 aus Niedersachsen fordert eine faire Verteilung der Netzentgelte und einen Brückenstrompreis.

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Icon Niedrigere Preise für erneuerbare Energien

DGB/SlideFactory und Icon54 via canva.com

In dieser Woche hat sich zum zweiten Mal in diesem Jahr die Konferenz Norddeutschland (KND), der Zusammenschluss der norddeutschen Bundesländer, mit Gewerkschaften und Arbeitgebern getroffen. Im Zentrum der Beratungen standen zwei Dauerbrenner: Energiewende und Transformation. An deren erfolgreicher Gestaltung hängen zukunftsfähige Wertschöpfungsketten in der Industrie, viele Arbeitsplätze, die Eindämmung des Klimawandels und letztlich auch die gesamtgesellschaftliche Akzeptanz für die anstehenden Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft.

Große Chancen bei der Energiewende

Fakt ist: Der Norden hat alle Chancen und Möglichkeiten, um Treiber des ökologischen Umbaus zu sein. Nicht nur sind durch die Anbindung ans Meer und kurzen Wege ideale Bedingungen für Wasserstoff und dessen Verteilung geboten. Mit der großen Verfügbarkeit der Windkraft hat Norddeutschland die besten Voraussetzungen, der Hotspot einer sauberen Stromerzeugung zu sein und hiermit die Grundlagen einer in vielen Bereichen notwendigen Elektrifizierung zu bezahlbaren Preisen zu legen.

Norden bei Stromerzeugung klar vorn

Obwohl der Ausbau der Windenergie noch schneller vorankommen muss, produzieren die norddeutschen Bundesländer schon jetzt einen deutlichen Stromüberschuss, während der Süden stark auf Importe angewiesen ist. Laut Prognosen wird dieses Nord-Süd-Gefälle auch in den kommenden Jahren weiter Bestand haben (siehe Grafik). Dies liegt einerseits am allgemein größeren Verbrauch von Privathaushalten und Unternehmen in den südlichen Regionen, ist aber anderseits auch auf eine Politik zurückzuführen, durch die Windkraftanlagen dort noch immer einen Raritätenstatus genießen.

Grafik "Prognose für Stromerzeugung und -verbrauch 2030"

DGB

Ungleichheit bei der Kostenverteilung

Dieses Ungleichgewicht geht mit zum Teil schweren Nachteilen einher. Wegen fehlender Stromtrassen und anderen Regularien kommt es vor, dass die grünen Energieüberschüsse nicht in den Süden gelangen können. Dadurch müssen nicht nur ganze Windparks abgeschaltet werden, sondern es entsteht die Situation, dass der Strom im Süden billiger wird, während private Haushalte im Norden proportional höhere Netzentgelte zahlen und Unternehmen mit Standortnachteilen leben müssen, obwohl vor Ort wesentlich mehr für die energetische Infrastruktur geleistet wird.

Faire Anpassung der Netzentgelte

Die Transformation kann nur gelingen, wenn Strom als wichtigster Energieträger der Zukunft günstig verfügbar ist. Neben schnelleren Fortschritten beim Ausbau der erneuerbaren Energien und Netze muss deshalb auch eine faire Verteilung der Netzentgelte auf alle Bundesländer politisch angegangen werden. Es wäre ein fatales Signal, wenn der Norden, der mehr für die Energiewende leistet, dauerhaft höhere Preise zu tragen hätte. Dieser Fehlanreiz bedarf dringend einer Kurskorrektur.

Brückenstrompreis für die Industrie

Darüber hinaus besteht akuter Handlungsbedarf bei der energieintensiven Industrie. Das jetzige Niveau der Strompreise erweist sich als ein schwerer Nachteil im internationalen Wettbewerb – zumal momentan die Würfel für zukünftige Standortinvestitionen fallen. Um ihr eine Brücke in die Dekarbonisierung zu bauen und damit auch gut tarifierte Beschäftigung zu sichern, ist es längst an der Zeit für einen befristeten Brückenstrompreis.