Deutscher Gewerkschaftsbund

07.12.2023
#schlaglicht 41/2023

ÖPNV der Zukunft: Gute Arbeit und Mobilität für alle

Der öffentliche Personennahverkehr ist zentral für eine umweltfreundliche Mobilitätswende. Für deren Erfolg braucht es neben höheren Investitionen vor allem mehr Personal. Die erste Gelegenheit, um die Attraktivität der Branche zu steigern, haben die Arbeitgeber bei der im kommenden Jahr startenden Tarifrunde, meint das #schlaglicht 41/2023 aus Niedersachsen.

 

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Icon Bahnbeschäftigter und Busfahrer

DGB/bsd studio und thanhloc 123 via canva.com

Gewerkschaft, Klimaschutz und Mobilitätswende? Da geht was! Letztes Jahr haben sich ver.di und Fridays für Future unter dem Label „Wir fahren zusammen“ zusammengetan, um sich für einen starken Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) als zentralen Standbein des Verkehrs der Zukunft einzusetzen. Neben regionalen Bündnisaktionen wurden bisher schon über 45.000 Unterschriften für eine Petition gesammelt, die bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten und einen Ausbau der Infrastruktur einfordert.

Verkehr ist Sorgenkind bei Emissionen

Bislang zeichnet sich der Verkehrssektor für etwa ein Fünftel aller Treibhausgasemissionen in der Bundesrepublik verantwortlich. Im Gegensatz zum Gebäudebereich, der Industrie oder der Energiewirtschaft fielen die erzielten Einsparungen in den letzten Jahren überschaubar aus, womit die Klimaziele infrage stehen. Ein Schlüsselrolle, um die ökologische Bilanz zu verbessern, fällt daher dem ÖPNV zu. Obwohl er 12 Prozent der Verkehrsleistung erbringt, schlägt seine Klimawirkung nur mit 6 Prozent zu Buche.

Hoher Bedarf an Investitionen im ÖPNV

Und klar ist: Das Potenzial des ÖPNV wird längst nicht ausgeschöpft. Um ihn als umweltfreundliche Mobilitätsalternative zu stärken, sind nicht nur Ticketpreise, die sich alle Menschen leisten können, erforderlich. Vor allem muss massiv in die Modernisierung und die Ausdehnung der Netze investiert werden. Laut einer Erhebung vom Deutschen Institut für Urbanistik (difu) beläuft sich der Nachhol- und Ersatzbedarf bei der ÖPNV-Infrastruktur bis 2030 auf 64 Mrd. Euro. Der Großteil der Investitionen entfällt auf U-Bahn- sowie Stadt-/Straßenbahnstrecken.

Grafik "Probleme bei der Stellenbesetzung im ÖPNV & SPV"

DGB

Viel zu tun in Niedersachsen

Entsprechend groß ist auch der Handlungsbedarf in Niedersachsen. 18 Prozent der Bevölkerung können keine Bus- oder Bahnhaltestelle mit täglich 20 Abfahrten fußläufig gut erreichen. Währenddessen rangiert das Land mit nur 15 Euro pro Kopf bei den ÖPNV-Ausgaben an letzter Stelle unter den Flächenländern. Soll die Mobilitätswende richtig Fahrt aufnehmen, muss die Landesregierung deshalb einen nachhaltigen Investitionspfad einschlagen. Zugleich muss die Frage beantwortet werden, ob das Nebenher vieler Verkehrsverbünde nicht Effizienz kostet und Synergien verhindert.

Personalbedarf auf hohem Niveau

Erfolg wird dieser Weg aber nur haben, wenn es den Arbeitgebern gelingt, Personal zu finden. Eine Befragung des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zeigt, dass sich die Personalsuche vor allem im Fahrdienst als sehr schwierig erweist (siehe Grafik). Auch die Bundesagentur für Arbeit sieht Anzeichen für einen Fachkräfteengpass. Nur ist dieser nicht vom Himmel gefallen, sondern durch Arbeitsbedingungen, die weit davon entfernt sind, konkurrenzfähig zu sein, verursacht worden.

Tarifrunde im Zeichen Guter Arbeit

Die erste Gelegenheit, um gegenzusteuern, erhal-ten die Arbeitgeber bereits 2024, wenn die Tarifrunde des TV-N Niedersachsen als Leitwährung im öffentlichen Nahverkehr startet. Mehr Urlaub, eine Anpassung der Zeitzuschläge, die Modernisierung und Aufwertung der Entgeltordnung sowie die Anerkennung des Fahrdienstes als Schichtarbeit und die Erhöhung der Mindestruhezeit sind wichtige Parameter, die die Attraktivität des ÖPNV erhöhen würden. Damit wäre den Beschäftigten, der Mobilität der Menschen und dem Klima geholfen.


Tag der Arbeit 2024

1. Mai 2024. Mehr Lohn. Mehr Freizeit. Mehr Sicherheit.
DGB