Deutscher Gewerkschaftsbund

18.04.2024
#schlaglicht 14/2024

Vermögensverteilung: Mehr Steuergerechtigkeit wagen

Das Vermögen in der Bundesrepublik ist extrem ungleich verteilt ist. Wenige besitzen viel, die untere Hälfte fast nichts. Die zunehmende Vermögenskonzentration ist nicht länger hinnehmbar. Sie fördert die soziale Spaltung und schadet der Demokratie. Das #schlaglicht 14/2024 aus Niedersachsen fordert eine Vermögenssteuer und die Abschaffung von Privilegien bei Firmenerben.

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Geldschere

DGB/luketaibai via canva.com

Folgende Szene: Zu einer großen Kinderparty sind insgesamt zwanzig kleine Gäste eingeladen. Nach einer Reihe von Spielen kommt endlich der Kuchen auf den Tisch, und mit ihm der Eklat. Während bei einem Kind die Hälfte auf dem Teller landet, müssen sich die anderen mit dem Rest streiten. Für diejenigen, die dann noch Pech haben, bleiben am Ende nur Krümel übrig. Kein Wunder, dass die Stimmung danach am Boden ist und die Feier abrupt abbricht. Verständlicherweise ist das Gerechtigkeitsgefühl vieler Kinder tief verletzt.

Vermögen hoch konzentriert

Aber was hier als völlig überzeichnete Zuspitzung daherkommt, ist bei der Vermögensverteilung in Deutschland bittere Realität. Gerade hat die Europäische Zentralbank (EZB) dazu aktuelle Daten präsentiert. Die reichsten 5 Prozent können für sich fast 50 Prozent des Gesamtnettovermögens auf der Habenseite verbuchen, womit die Bundesrepublik innerhalb der Europäischen Union (EU) Platz vier einnimmt (siehe Grafik). Demgegenüber besitzt die untere Hälfte so gut wie nichts, bei den mittleren 45 Prozent ist immerhin etwas Vermögen vorhanden. Seit 2017 hat die Ungleichheit kontinuierlich zugenommen.

Superreiche mit satten Zuwächsen

Die Gründe für diese Unwucht sind sehr klar zu benennen. Durch hohe Aktienkurse, Rekordgewinne und -dividenden sowie Wertsteigerungen bei Immobilien sind die Vermögen der Superreichen sagenhaft angewachsen. Eine wichtige Rolle spielen auch erhaltene Erbschaften und Schenkungen, die über Generationen weitergegeben werden. Und damit nicht genug: In den letzten Jahren ist die Einkommensungleichheit durch Mehrfachkrisen, einen immer noch großen Niedriglohnsektor und anhaltende Tarifflucht wieder angestiegen. Gleiches gilt auch für die Armutsgefährdungsquote.

Grafik "Anteil der obersten 5 Prozent am Gesamtvermögen"

DGB

Steuersystem begünstigt Ungleichheit

Verschärft wird diese Lage durch falsch gesetzte Leitplanken im Steuersystem. In Deutschland wer-den Einkommen aus Arbeit im internationalen Vergleich relativ hoch besteuert, vermögensbezogene Steuern rangieren unter ferner liefen. Die Verteilung des gesamten Steueraufkommens spricht Bände: Über ein Viertel der Einnahmen wird über die Löhne erzielt. Steuern auf Erbschaften und Vermögen tragen hingegen nur 1 Prozent zur Finanzierung der öffentlichen Haushalte bei.

Soziale Spaltung gefährdet Demokratie

Wenn viele Menschen nichts besitzen, kaum auf einen grünen Zweig kommen und unterdessen der Reichtum weniger Personen immer höhere Sphären erreicht, steigt die soziale Ungleichheit immer weiter an. Eine gefährliche Situation, die nicht nur ungerecht ist, sondern auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt und damit letztlich die Demokratie schwächt. Radikale Kräfte reiben sich die Hände.

Mehr Steuergerechtigkeit jetzt!

Was also tun? Mehr Steuergerechtigkeit wagen! Für eine Trendwende muss das Steuersystem gründlich neujustiert werden. Dies muss unter anderem die Wiedereinführung der Vermögenssteuer und eine Erbschaftssteuer ohne Ausnahmen reiche Unternehmenserben beinhalten. Mit den Einnahmen ließen sich nicht nur wichtige Investitionen in Infrastruktur, Bildung und bezahlbaren Wohnraum tätigen. Im Rahmen des DGB-Steuerkonzepts würden insbesondere auch Beschäftigte und Familien mit kleinen und mittleren Einkommen entlastet werden. Damit ihnen mehr vom Kuchen bleibt.