Deutscher Gewerkschaftsbund

20.06.2019
#schlaglicht 23/2019

Geflüchtete: Integration braucht langen Atem!

Krieg, Armut und Klimakatastrophen zwingen Menschen weltweit zur Flucht. Viele von ihnen haben in den letzten Jahren in Deutschland eine neue Heimat gefunden. Doch gute statt prekärer Arbeit zu finden, fällt vielen schwer. Woran das liegt und welche Gegenmaßnahmen nötig sind, beschreibt das #schlaglicht Nummer 23/2019.

flickr.com - CC BY-NC 2.0 (Héctor de Pereda)

Heute ist offizieller Weltflüchtlingstag. Doch Flüchtlinge gibt es an 365 Tagen im Jahr. So viele Tage es gibt, so vielfältig sind die Fluchtursachen. Die bedeutendsten sind Krieg, Verfolgung, Armut sowie die Umweltzerstörung. Dabei ist die Rechnung einfach: Solange Fluchtursachen nicht ausreichend bekämpft werden, solange flüchten Menschen. Ende 2018 wurden rund 70,8 Millionen Geflüchtete weltweit gezählt. Das ist ein trauriger Rekord!

Starkes Miteinander eröffnet neue Perspektiven
Da Flucht nicht aus freien Stücken erfolgt, wollen die meisten Menschen wieder in ihre Heimat zurückkehren. Aber so manche von ihnen entscheiden sich für Deutschland als neuen Lebensmittelpunkt. Und selbst jene, die keinen dauerhaften Aufenthalt planen, brauchen eine Perspektive. Doch ihre Integration erfordert große Anstrengungen. Eine fremde Sprache und kulturelle Gewohnheiten sowie neue rechtliche Normen lassen sich nicht über Nacht erlernen. Hierzu braucht es von allen Beteiligten Engagement und den Willen zur Kooperation. Breite gesellschaftliche Bündnisse wie „Niedersachsen packt an“ oder unzählige lokale Initiativen haben gezeigt: Nur durch das Miteinander wurde die Aufnahme von so vielen Menschen in Niedersachsen gemeistert. Für diesen Einsatz gebührt allen helfenden Händen Hochachtung!

Ohne Bildung und Arbeit keine Integration
Nun muss der nächste Schritt folgen: Für eine gelungene Integration ist es unerlässlich, dass Geflüchtete an Bildung und am Arbeitsmarkt teilhaben können. Arbeit sichert mehr als nur das Einkommen zum Lebensunterhalt. Sie ist eine Brücke für soziale Kontakte, die nicht beim Verlassen des Betriebes enden. Damit Geflüchtete Zugang zu Beschäftigung finden, sind umfangreiche Angebote in Aus- und Weiterbildung notwendig. Die Mehrheit – der zumeist jungen Menschen – verfügt nur über geringe Qualifikationen auf Helfer-Niveau. Nur jeder sechste ist eine Fachkraft. Ohne entsprechende Bemühungen droht vielen Arbeitslosigkeit oder ein dauerhaftes Dasein in Gelegenheitsjobs.

Abgänge aus Arbeitslosigkeit in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung

DGB

Nur reguläre Arbeit sichert Teilhabe
Immerhin gibt es erste Erfolge: Die Zahl der Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt steigt langsam an. Trotzdem bleibt ein Nachgeschmack: Spezielle Leiharbeitsfirmen konzentrieren sich ausschließlich auf Flüchtlinge. Sie nutzen den Umstand, dass viele schnell und unbürokratisch Arbeit wollen. Bis Ende letzten Jahres waren bundesweit zwar 88.800 Geflüchtete aus den acht zugangsstärksten nichteuropäischen Asylherkunftsländern sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Doch über ein Drittel von ihnen steckte in Leiharbeit fest (siehe Grafik). Landen Flüchtlinge verstärkt in diesem unsicheren Sektor, besteht die Gefahr, dass sie dort nicht mehr herauskommen. Für eine nachhaltige Integration sind mehr reguläre Beschäftigungsverhältnisse statt prekärer Arbeit nötig.

Deshalb gilt: Gemeinsam anpacken!
Der Weltflüchtlingstag wirft ein Licht auf die Menschen, die unter großen Strapazen zu uns gekommen sind. Wir sollten ihnen Chancen für ein würdevolles Leben ermöglichen und ihr Potenzial nutzen. Dafür gibt es noch viel zu tun: Rechtssicherheit beim Aufenthaltsstatus, berufsbegleitende Sprachkurse, bessere Bewerbung von Aus- und Weiterbildungsprogrammen und mehr Beratungsangebote sind – gerade für die jungen Menschen – die elementaren Voraussetzungen, um hier Fuß fassen zu können. Dafür gilt es weiter anzupacken!


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