Deutscher Gewerkschaftsbund

05.12.2019
#schlaglicht 44/2019

Gilde Brauerei: Frontalangriff auf die Mitbestimmung!

Tarifloser Zustand seit 2016, schlechtere Bedingungen für Neu-Eingestellte und nun auch noch die Zerschlagung des Betriebsrates. Die Geschäftsführung treibt ein übles Spiel mit der Belegschaft der Gilde Brauerei, dem ältesten Betrieb Hannovers. Was die Hintergründe sind und was Gewerkschaft und Betriebsrat forden, ist im #schlaglicht Nummer 44/2019 zu lesen.

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Volles Bierglass neben Bierflasche

Colourbox.de

Vor einer Woche haben die niedersächsischen Weihnachtsmärkte ihre Pforten geöffnet. Viele nutzen die Gelegenheit und lassen sich an den kalten Abenden ein heißen Glühwein schmecken. Das ist aber nur eine kleine Zwischenepisode. Für gewöhnlich greifen die Norddeutschen – speziell in Hannover – gerne auf ein frisch Gezapftes zurück. Gerne auch aus der Gilde Brauerei, dem ältesten Betrieb der Stadt. Doch mittlerweile hat sich ein extrem bitterer Beigeschmack eingestellt. Nicht aufgrund des Bieres, das dank der Beschäftigten beste Qualität hat. Sondern wegen des üblen Spiels, das die Geschäftsführung mit der Belegschaft treibt!

Zweierlei Maß für die Beschäftigten
Im Jahr 2016 hat die TCB-Beteiligungsgesellschaft die Gilde Brauerei erworben. Seitdem befindet sie sich in einem tariflosen Zustand und es wird mit zweierlei Maß gemessen. Für alle Neueingestellten – 50 Prozent der Beschäftigten – gelten keine Tarifverträge. Das geht für sie mit schlechteren Bedingungen einher: Sie müssen mit niedrigeren Löhnen auskommen. Ihnen wird kein Weihnachtsgeld ausbezahlt und das Urlaubsgeld beträgt nur noch die Hälfte. Auch die Schichtzuschläge und die Altersvorsorge fallen erheblich dürftiger aus (siehe Tabelle). Damit landen bei gleicher Tätigkeit jährlich 15.000 Euro weniger im Geldbeutel der Beschäftigten.

Unterschiede zwischen Gilde-Beschäftigten mit und ohne Tarifvertrag

DGB

Seit vielen Monaten kämpft die Belegschaft gegen die Tarifflucht der Geschäftsführung. Aber die hat dem Fass nun den Boden ausgeschlagen: Sie hat die Gilde Brauerei in vier Teile aufgespalten. Unter Aufsicht von Sicherheitskräften mussten die Beschäftigten ihre Spinde räumen. Trennwände wurden quer durch den Betrieb gezogen. Nicht mal die Kantine blieb von dieser Maßnahme verschont. Ein absurder Anblick. Das alles geschah ohne den Interessenausgleich mit dem Betriebsrat. Dessen Mitgliedern in den neuen Gesellschaften wurde nun sogar die weitere Ausübung ihrer Tätigkeit untersagt. Beides verstößt gegen das Betriebsverfassungsgesetz und ist ein Frontalangriff auf die Mitbestimmung!

Geschäftsführung tritt die Mitbestimmung mit Füßen
Die Beschäftigten haben sich per Urabstimmung mit einer überwältigenden Mehrheit dafür entschieden, solidarisch für bessere Arbeitsbedingungen einzutreten. Das Gebaren der Geschäftsführung ist hingegen ein durch und durch groteskes Schauspiel. Sie greift damit die traditionsreiche Gilde Brauerei in ihren Grundfesten an und setzt deren Identität aufs Spiel. Mit allen erdenklichen Mitteln will sie die Belegschaft in der gegenwärtigen Tarifauseinandersetzung einschüchtern und spalten. Sie missachtet geflissentlich jegliche Regeln der innerbetrieblichen Demokratie und versteht sich nur auf Union-Busting und Betriebsrats-Bashing. Aber sie hat weder Moral noch Recht auf ihrer Seite.

Arbeitgeber muss zurück an den Verhandlungstisch
Klar ist: Die Geschäftsführung der Gilde Brauerei muss endlich Anstand zeigen und zur Vernunft kommen. Die Umsetzung der Spaltung ist sofort zu beenden. Ebenso ist die Behinderung der demokratisch legitimierten Betriebsratsarbeit zu unterlassen. Es ist Zeit, am Verhandlungstisch Platz nehmen. Die Tarifkommission der Gewerkschaft NGG ist hierzu bereit. Tarifverträge und Mitbestimmung sind Kernelemente der Sozialpartnerschaft. Sie sichern gute Arbeit, den sozialen Ausgleich und Partizipation am Arbeitsplatz. Nichts weniger haben die Beschäftigten dieser hannoverschen Institution verdient. Und nicht nur, weil bald Weihnachten ist!

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