Deutscher Gewerkschaftsbund

14.01.2021
#schlaglicht 01/2021

Homeoffice & Co.: Jetzt die Weichen richtig stellen

Neues Jahr - weiterhin hohe Corona-Zahlen. Der Lockdown geht daher in die nächste Runde. Wo es möglich ist, können Homeoffice und mobiles Arbeiten helfen, die Infektionszahlen zu senken. Doch noch scheuen sich zu viele Arbeitgeber davor. Es braucht einen Rechtsanspruch und hohe Standards für den Gesundheitsschutz, fordert das #schlaglicht 01/2021 aus Niedersachsen.

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Grafische Darstellung: Mann und Frau am Schreibtisch im Homeoffice

DGB/mayrum/123RF.com

Der Corona-Lockdown geht in die Verlängerung. Weil die Infektionszahlen nicht wie gewünscht sinken, bleiben Einzelhandel, Gastronomie sowie der Kultur- und Veranstaltungsbereich zunächst bis Ende Januar geschlossen. Schulunterricht findet trotz Ferienende oft von zu Hause statt, während Kitas nur eine Notbetreuung anbieten. Dadurch sollen die Kontakte reduziert, die Menschen geschützt und eine Überlastung des Gesundheitssystems verhindert werden.

Arbeitgeber müssen die Gesundheit ihrer Beschäftigten sicherstellen

Gleichzeitig sind zahlreiche Branchen, Betriebe und Verwaltungen nicht von den Stilllegungen betroffen. Dort sind die Arbeitgeber mehr denn je gefordert. Sie haben die Pflicht, die Gesundheit ihrer Beschäftigten sicherstellen. Dazu gehören Gefährdungsbeurteilungen, betriebliche Pandemieplanungen, gute Hygienekonzepte sowie die strikte Einhaltung der verbindlichen Corona-Arbeitsschutzregeln.

Mehr mobiles Arbeiten ermöglichen

Weitere Stellschrauben zur Reduzierung der Ansteckungen können Homeoffice und mobiles Arbeiten sein. Um einen Beitrag zu leisten, müssen die Arbeitgeber dort, wo es machbar ist, diesen Weg ermöglichen. Ein Prozentpunkt mehr Beschäftigte im Homeoffice kann die Infektionsrate um bis zu 8 Prozent verringern. Aber Fakt ist: Nicht überall gibt es diese Bereitschaft. Trotz Appellen – unter anderem von DGB, Arbeitgeberverbänden und Landesregierung – müssen viele Beschäftigte erst einmal begründen, wenn sie von zu Hause arbeiten möchten. Vielerorts wird noch der Gang zur Arbeitsstätte angetreten. Im November waren 14 Prozent der Beschäftigten überwiegend oder ausschließlich im Homeoffice tätig. Während des ersten Lockdowns lagen die Zahlen fast doppelt so hoch (siehe Grafik). Das ist ausbaufähig!

Grafik "Beschäftigte mit überwiegender oder ausschließlicher Arbeit im Homeoffice"

DGB

Einige Arbeitgeber sind gegenüber mobilem Arbeiten und Homeoffice nach wie vor nicht aufgeschlossen und wollen ihre Beschäftigten in Präsenz sehen. Hier ist dringend ein Kulturwandel in den Führungsetagen der Unternehmen nötig. Denn beide Instrumente bieten auch jenseits des aktuellen Corona-Gesundheitsaspekts durchaus Vorteile für alle. Um Beruf und Familie besser in Einklang zu bringen, wünschen sich viele Beschäftigte mehr Arbeitszeitsouveränität. Sie sind zufriedener, produktiver und seltener krank. Davon profitieren am Ende auch die Arbeitgeber.

Es braucht einen Rechtsanspruch auf Homeoffice...

Um diese neue Form der Arbeit zum Erfolg zu machen, muss es aber verbindliche Spielregeln geben. Es darf nicht nur vom Ermessensspielraum der Arbeitgeber abhängen, ob den Beschäftigten mehr Autonomie zusteht. Dafür ist ein gesetzlicher Anspruch auf Homeoffice notwendig, ohne dass zur Arbeit in den eigenen vier Wänden ein Zwang besteht. Der Betrieb als Ort der Begegnung ist und bleibt unverzichtbar.

...wobei hohe Standards gelten müssen

Darüber hinaus gilt es jetzt weitere Weichen richtig zu stellen, damit Homeoffice und mobile Arbeit für die Beschäftigten nicht zum Bumerang werden. Die frühzeitige Einbindung von Betriebs- und Personalräten, die genaue Erfassung der Arbeitszeit, das Recht auf Nicht-Erreichbarkeit und ein starker Arbeitsschutz sind das A und O. Denn egal, wo die berufliche Tätigkeit stattfindet: Die Standards guter Arbeit haben überall ohne Abstriche zu gelten!


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