Deutscher Gewerkschaftsbund

13.06.2019
#schlaglicht 22/2019

Gebäudereinigung: Sauberkeit hat ihren Preis!

Sauberkeit hat ihren Preis! Aber die Arbeitgeber in der Gebäudereinigung sind nicht mehr bereit, diesen zu zahlen: Sie haben den Rahmentarifvertrag gekündigt. Anlässlich des Internationalen Tages der Gebäudereinigung am 15. Juni 2019 informiert das #schlaglicht Nummer 22/2019 über die Forderungen der Reinigungskräfte.

Schreiende Frau mit Putzutensilien

DGB/Piotr Marcinski/123rf.com

Es spielt keine Rolle, ob in Wohnhäusern, im Krankenhaus oder am Arbeitsplatz – überall möchten wir unsere Umgebung in einem sauberen Zustand vorfinden. Das ist keine Selbstverständlichkeit, dahinter steckt harte Arbeit. Sie wird von den Beschäftigten, die in der Gebäudereinigung tätig sind, geleistet. Wenn andere bereits Feierabend haben, machen sie sich ans Werk und sorgen mit ihrem unermüdlichen Einsatz für ein angenehmes Arbeits- und Lebensumfeld. Dafür schuften sie oft bis in die frühen Morgenstunden. Diese Leistung verdient Respekt und Anerkennung!

Gerichtsurteil dient als Vorwand

Eigentlich müsste diese Wertschätzung bei den Arbeitgebern beginnen. Doch davon kann keine Rede sein. Ganz im Gegenteil: Gegenwärtig erweisen sich die angeblichen Saubermänner als tarifpolitische Schmutzfinken. Sie haben den jahrelang geltenden Rahmentarifvertrag gekündigt. Als Vorwand dient ihnen ein aktuelles Gerichtsurteil des Bundesarbeitsgerichts. Dieses hat entschieden, dass Überstundenzuschläge in Höhe von 25 Prozent auch für Teilzeitkräfte gelten müssen. Nun weinen die Arbeitgeber Krokodilstränen und klagen über Rechtsunsicherheit. Aber de facto sind sie nur zu knauserig, höhere Löhne zu zahlen. Für die Beschäftigten stehen mit dem Verlust des Tarifvertrages viele Errungenschaften auf dem Spiel. Weniger Anstand geht nicht!

17 Milliarden Euro Umsatz in der Branche - aber nur 1.750 Euro brutto für Beschäftigte

Die Gebäudereinigung ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Bundesweit arbeiten rund 700.000 Beschäftigte in diesem Bereich. Der Jahresumsatz befindet sich derzeit auf einem Rekordhoch von 17 Mrd. Euro. Gleichzeitig ist die Branche vielfach von prekärer Arbeit geprägt. Befristungen, Minijobs, Leistungsverdichtung und Überstunden – besonders bei Teilzeitkräften – sind an der Tagesordnung. Dank zweifelhafter Eingruppierungen befinden sich 80 Prozent der Beschäftigten in der untersten Lohngruppe mit einem Stundenverdienst von 10,56 Euro in Westdeutschland (siehe Grafik). Eine Vollzeitkraft kommt damit auf 1.750 Euro brutto im Monat.

Tariflohntabelle in der Gebäudereinigung in Westdeutschland 2019

DGB

Angesichts dieser Situation mutet das Gebaren der Arbeitgeber geradezu grotesk an. In Dauerschleife jammern sie über den Mangel an Fachkräften und die hohe Fluktuation von Personal in ihren Betrieben. Und dennoch verweigern sie sich konsequent besseren Arbeitsbedingungen und höheren Löhnen. Wie unter diesen Umständen die Attraktivität der Arbeitsplätze steigen soll, bleibt ihr Geheimnis. Ohne konkrete Verbesserungen wird es einfach nicht gehen. Nur so lässt sich den strukturellen Problemen der Branche wirksam entgegenwirken und Nachwuchs gewinnen.

Die Beschäftigten haben einen Tarifvertrag verdient!

Mit der Kündigung des Tarifvertrages haben die Arbeitgeber ihr wahres Gesicht gezeigt. Monatelang wollten sie von den Forderungen der Beschäftigten nichts wissen und haben die Verhandlungen scheitern lassen. Als dann per Gerichtsbeschluss Lohnzuschläge drohten, machten sie sich aus dem Staub. Nun wollen sie plötzlich verhandeln, erneut ohne etwas Handfestes anzubieten. Das ist einfach nur respektlos. Die Beschäftigten verdienen selbstverständlich einen Tarifvertrag: Mit Weihnachtsgeld, gerechten Eingruppierungen, der Unantastbarkeit von Urlaubstagen beim Wechsel des Arbeitgebers und der vollen Gleichstellung von Teilzeitkräften. Ihre harte Arbeit für Sauberkeit ist es schließlich wert!

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