Deutscher Gewerkschaftsbund

28.03.2019
#schlaglicht 12/2019

Altersarmut wächst – Grundrente jetzt!

Dreiviertel der Deutschen machen sich Sorgen um ihre Rente. Das ist kein Zufall. Gerade Menschen mit geringem Einkommen droht Altersarmut. Wie sich die Zahlen in Niedersachsen entwickelt haben und warum wir die Grundrente brauchen, erklärt das #schlaglicht Nummer 12/2019.

Frau hält Geldbeutel mit einer Münze in der Hand

DGB/Yulia Grogoryeva/123rf.com

Ein finanziell sorgenfreies Leben im Alter: Davon träumen die meisten Menschen; egal ob jung oder alt. Gleichzeitig war die Skepsis, eben jenes Ziel zu erreichen, noch nie so ausgeprägt wie heute. Eine aktuelle Umfrage der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) belegt, dass sich über Dreiviertel der Menschen in Deutschland um ihre Altersversorgung Sorgen machen. Das ist kein Zufall. Viele Beschäftigte müssen nach dem Erwerbsleben deutliche Abstriche hinnehmen. Und nicht nur das: Altersarmut wird zum wachsenden gesellschaftlichen Problem!

Menschen mit geringem Einkommen droht Rentenlücke
Bis zur Jahrtausendwende hat die gesetzliche Rente den Lebensstandard nach dem Berufsleben gesichert. Dann kam der Turnaround: Niedrige Beiträge waren wichtiger als eine verlässliche Altersversorgung. Also wurden die Abgaben gesenkt, bis die Rentenkasse leer war. Das Rentenniveau trat den Sinkflug an. Als Ausgleich sollten die Beschäftigten privat vorsorgen, Arbeitgeber wurden entlastet. Parallel breitete sich der Niedriglohnsektor samt prekären Jobs aus. Fatale Folge: Viele sind nicht in der Lage, mit privaten Zusatzversicherungen für das Alter vorzusorgen. Gerade Menschen mit geringem Einkommen können die ihnen drohende Rentenlücke nicht schließen.

Rentnerinnen und Rentner häufiger von Armut betroffen
Dieses Desaster hat die Altersarmut deutlich ansteigen lassen; auch in Niedersachsen. Arm sind Personen, denen pro Monat weniger als 980 Euro zur Verfügung stehen. Unterhalb dieser Schwelle ist gesellschaftliche Teilhabe kaum möglich. Eine gesonderte Betrachtung der Menschen mit einer Versichertenrente – ohne Pensionen – offenbart das Ausmaß: In der letzten Dekade hat sich die Armutsquote der Über 65-Jährigen von rund 15 Prozent auf knapp 21 Prozent erhöht. Ein Anstieg von mehr als einem Drittel. Rentnerinnen und Rentner sind damit wesentlich häufiger von Armut betroffen als der gesellschaftliche Durchschnitt (siehe Grafik). Mit dem beruflichen Ruhestand droht vielen der Abstieg!

Armutsgefährdung nach soziodemografischen Merkmalen in Niedersachsen

DGB

Die Fakten zeigen eindeutig: Altersarmut ist längst ein Massenphänomen. Von ihr sind besonders Frauen betroffen. Die meisten haben ihr ganzes Leben gearbeitet, Kinder erzogen und Angehörige gepflegt. Aber niedrige Löhne, prekäre Jobs sowie Preisanstiege und Mietenwahnsinn sorgen dafür, dass ihre Rente trotzdem kaum zum Leben reicht. Deshalb sind inzwischen viele auf einen Zuverdienst im Rentenalter angewiesen oder müssen sich bei den Tafeln mit Lebensmitteln versorgen. In den letzten zehn Jahren hat sich ihre Zahl verdoppelt. Wahrlich keine Glanzleistung des Sozialstaates!

Online-Petition für Grundrente unterstützten!
Verlieren die Menschen das Vertrauen in eine gute Alterssicherung, birgt das gesellschaftlichen Sprengstoff. Umso wichtiger ist eine 180-Grad-Wendung. Der Vorschlag von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil für eine Grundrente ohne Bedürftigkeitsprüfung ist die richtige Antwort. Viele Frauen würden profitieren, denen sonst der Gang in die Grundsicherung droht. Ihre Lebensleistung würde endlich mehr Respekt bekommen. Damit ein Leben in Würde im Alter möglich ist – heute und morgen! Alle sind deshalb eingeladen, die vor kurzem unter https://www.dgb.de/-/Cfz gestartete Online-Petition zu unterstützen.

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