Deutscher Gewerkschaftsbund

30.04.2020
#schlaglicht 17/2020

Tag der Arbeit: Solidarisch ist man nicht alleine!

Der Tag der Arbeit in Corona-Zeiten. Geht das? Das geht! Und weil Solidarität in diesem Jahr heißt: „Mit Anstand Abstand halten“, verlegen wir unsere Aktivitäten ins Netz. Unsere Forderungen werden deshalb nicht weniger, sie werden deshalb nicht leiser. Es gibt gerade jetzt mehr als genug zu tun: Kurzarbeitergeld rauf, Gesundheitsschutz stärken. Das können wir nur gemeinsam erkämpfen! Einen solidarischen 1. Mai 2020 wünscht das #schlaglicht 17/2020 aus Niedersachsen.

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Morgen ist es wieder soweit: Wie in den Jahrzehnten zuvor werden viele Beschäftigte überall in Niedersachsen den Tag der Arbeit feiern. Doch diesmal findet er unter ganz besonderen – ja bedrückenden – Bedingungen statt. Erstmalig in der Geschichte der Bundesrepublik kann der erste Mai als Feiertag nicht unter freiem Himmel begangen werden. Aufgrund der Corona-Pandemie müssen die traditionellen Ansprachen und Demonstrationszüge in diesem Jahr leider ausfallen. Menschen können nicht auf öffentlichen Plätzen zusammenkommen, um ein Zeichen für Solidarität zu setzen. In diesem Jahr heißt Solidarität: Mit Anstand Abstand halten!

Tag der Arbeit - digital

Für eine Alternative ist aber dennoch gesorgt. Labor Day goes digital. Schließlich gehört Solidarität zu der historischen DNA der Arbeiterbewegung. Die Gewerkschaften werden für ihre Mitglieder und alle Interessierten in den sozialen Netzwerken für ein buntes Programm aus Videos, Reden, Kabarett und Musik bieten. Ein Stück Tradition und ein solidarisches Miteinander ist gerade jetzt mehr denn je gefragt.

Solidarität heißt: Soziale Schieflagen aufheben

Solidarität in Corona-Zeiten bedeutet, dass soziale Schieflagen sich nicht verschärfen dürfen. Und hier gibt es Nachholbedarf. Beispiel Kurzarbeitergeld: Zurzeit erhalten Beschäftigte nur 60 Prozent ihres letzten Nettogehalts. Für Eltern gibt es zwei Drittel. Das ist zu viel wenig. Zwar hat die Bundesregierung nachgebessert und das Kurzarbeitergeld auf 80 Prozent aufgestockt – ein wichtiger Schritt. Die Regelung greift aber erst ab dem vierten Monat. Doch laut einer aktuellen Umfrage gibt ein Drittel der Beschäftigten an, mit dem gegenwärtigen Kurzarbeitergeld maximal drei Monate über die Runden kommen zu können (siehe Grafik). Um die Zeit zu überbrücken, müssen die Arbeitgeber einen Aufschlag zahlen. Immerhin werden ihnen die Sozialversicherungsbeiträge vollständig erstattet und Milliardenhilfen gewährt. Ein Teil davon steht den Beschäftigten zu. Das wäre solidarisch. Das wäre gerecht. Denn solidarisch ist man nicht alleine!

Grafik "Auskommen der Beschäftigten mit dem gesetzlichen Kurzarbeitergeld"

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Klar ist auch: Die Corona-Krise zeigt überdeutlich, dass die Beschäftigten in den systemrelevanten Berufen das gesellschaftliche Rückgrat sind. Sie haben mit ihrem unermüdlichen Einsatz die Versorgung der Bevölkerung aufrechterhalten. Dafür gebührt ihnen höchste Anerkennung. Bleiben darf es dabei allerdings nicht. Eine konsequente Aufwertung dieser Berufsgruppen ist längst überfällig. Solidarität lässt sich nun mal in Euro und Cent messen. Mit mehr Tarifverträgen müssen die Arbeitgeber mehr Anstand zeigen.

Arbeitsschutz hat jetzt Vorrang

Ganz und gar nicht solidarisch sind hingegen die Lockerungen von Arbeitsschutzbestimmungen. Das ist ein Schlag ins Gesicht für die Beschäftigten. Das gilt ebenso für die Debatte um Sonntagsöffnungen oder Steuersenkungen für Unternehmen. Vielmehr müssen der Arbeits- und Gesundheitsschutz jetzt absolute Priorität haben. Das Ausnutzen der Krise durch die Arbeitgeber für langgehegte Lobbyinteressen ist völlig deplatziert und untergräbt das soziale Fundament.

Gewerkschaft geht nur mit Dir!

Stattdessen ist am Tag der Arbeit und darüber hinaus viel mehr Solidarität gefragt. Die Gewerkschaften arbeiten täglich für dieses Anliegen. Werde jetzt Gewerkschaftsmitglied! Sind wir viele, sind wir stark. Und solidarisch ist man nicht alleine!

 

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