Deutscher Gewerkschaftsbund

02.07.2020
#schlaglicht 26/2020

Ausbildungsplätze brechen weg – Zukunft der Jugend sichern!

Um die Ausbildungszahlen steht es schon länger nicht zum Besten. Alle Betriebe brauchen Fachkräfte, aber nur ein Fünftel bildet selbst aus. In Zeiten von Corona sinkt die Zahl der Ausbildungsverträge in Niedersachsen noch einmal um 25 Prozent. Den jungen Menschen fehlt eine Zukunftsperspektive. Die Landesregierung muss jetzt die Ausbildungsprämie einführen, um die Ausbildung von heute und die Fachkräfte von morgen zu sichern, meint das schlaglicht 26/2020.

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Transparent: Ich suche einen Ausbildungsplatz

DGB Bayern

Im Normalfall fiebern viele Menschen jedes Jahr dem August entgegen: Mit Beginn der neuen Bundesligasaison pilgern Fußballfans dann für gewöhnlich in die Stadien der Republik. Gleichzeitig wollen zahlreiche Jugendliche nach ihrem erfolgreichen Schulabschluss eine Ausbildung aufnehmen, um einen Beruf zu erlernen und so ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Aber was ist in Pandemie-Zeiten schon normal? Während Stadionbesuche noch ziemlich verzichtbar sind, stellt sich die gegenwärtige Situation vieler junger Menschen sehr viel ernster dar. Denn ihre berufliche Zukunft als Fachkräfte von morgen ist äußerst ungewiss!

Nur 20 Prozent der Betriebe bilden aus

Schon vor Corona hatte der niedersächsische Ausbildungsmarkt seine Defizite. Seit Jahren ist er durch ein strukturelles Ungleichgewicht gekennzeichnet. Obwohl 100 Prozent der Betriebe von qualifizierten Fachkräften profitieren, bildet nur noch rund ein Fünftel von ihnen selbst aus. Im letzten Jahr kamen auf hundert Jugendliche, die sich um eine Ausbildung bewarben, nur neunzig Ausbildungsplätze. Für ein auswahlfähiges Angebot müssten es über einhundertzwölf Stellen sein. Dadurch erhalten nicht alle Ausbildungswilligen auch ihre Chance. Nun – da viele Unternehmen in wirtschaftlich schwieriges Fahrwasser geraten sind – droht sich dieser Trend nochmal deutlich zu verstärken.

Zahl der Ausbildungsverträge sinkt um ein Viertel

Die neusten Daten sind besorgniserregend: Bis Ende Mai wurden gegenüber dem Vorjahr in Niedersachsen insgesamt 3.500 gewerbliche und kaufmännische Ausbildungsverträge weniger bei den Industrie- und Handelskammern (IHK) eingetragen. Das ist ein Rückgang um mehr als ein Viertel! Besonders stark fällt der gemeldete Abbau mit über einem Drittel in der IHK-Gruppe Hannover aus. Aber auch in vielen anderen Bezirken gibt es hohe Einbußen jenseits der 20 Prozent (siehe Grafik). Zwar bestehen zwischen den einzelnen Berufsgruppen zum Teil erhebliche Unterschiede. Dennoch liegen die Verluste in jeder Branche im zweistelligen Bereich.

Grafik "Rückgang der eingetragenen Ausbildungsverträge gegenüber dem Vorjahr"

DGB

Es muss jetzt also schnell gegengesteuert werden. Ansonsten stehen viele Jugendliche vor einem verlorenen Jahr. Um genau das zu verhindern, sind zuerst die Betriebe gefragt: Trotz ökonomischer Probleme sollten sie – schon aus Eigeninteresse – an ihre Zukunft denken. Der Industrie- und Dienstleistungsstandort Niedersachsen kann nämlich nicht auf das Potenzial der nächsten Generation verzichten. Die Arbeitgeber sollten deshalb alles daran setzen, auf hohem Niveau auszubilden und jungen Menschen eine dauerhafte Perspektive auf dem Arbeitsmarkt zu bieten.

Landesregierung muss jetzt Ausbildungsplatzprämie einführen

Aber klar ist: Die Landesregierung muss Unterstützung leisten. Ihr Aktionsplan Ausbildung sieht Mittel in Höhe von 18 Mio. Euro vor. Dieses Geld ist nun in vollem Umfang zu mobilisieren und muss den Schutzschirm der Bundesebene sinnvoll ergänzen. Der beste Einsatz ist eine Ausbildungsplatzprämie. Betriebe, die im Vergleich der letzten drei Ausbildungsjahre zusätzliche Ausbildungsplätze anbieten, sollen für ein Jahr monatlich 600 Euro erhalten. Dieses Angebot hat sich gezielt an Schüler mit schlechteren Chancen zu richten. Es wäre ein wichtiger Impuls für die Betriebe, um den Jugendlichen das Tor zur Berufswelt zu öffnen. Damit der Kick-off zum Ausbildungsjahr 2020 doch noch ein Erfolg wird!

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