Deutscher Gewerkschaftsbund

19.04.2022
#schlaglicht 13/2022

Forstwirtschaft: Personalnot gefährdet CO2-Speicher Wald

Als CO2-Speicher kommt Wäldern im Kampf gegen die Klimakrise eine hohe Bedeutung zu. Leider sind die Forsten in Niedersachsen in keinem guten Zustand. Die Beschäftigten sind aber wegen Personalmangels am Limit. Um Schäden zu beseitigen und die Wälder der Zukunft anzulegen, fordert das #schlaglicht 13/2022 deutlich mehr Forstpersonal.

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Forstarbeiterin Kettensäge im Wald

Simone M. Neumann

Auch der jüngste Bericht vom Weltklimarat (IPCC) ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Erneut wurde klar umrissen, dass sich das Fenster immer weiter schließt, um den Temperaturanstieg wenigstens einigermaßen zu begrenzen. Um die ausgerufenen Klimaziele noch erreichen zu können, muss der Ausstoß von Treibhausgasemissionen in allen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereichen in einem hohen Tempo auf null gedrückt werden. Nur damit lässt sich den schlimmsten Folgen der Klimakrise vorbeugen.

Wald ist wichtiger CO2-Speicher

Dreh- und Angelpunkt ist und bleibt der Ausbau hin zu einer klimaneutralen Energieerzeugung inklusive sauberer Produktion und Mobilitätsformen. Aber die Transformation lässt sich nicht über Nacht bewerkstelligen. Der IPCC-Bericht verweist daher auch auf Ausgleichspotenziale. Hierzu gehören insbesondere der Schutz, die Aufforstung und die Anpassung an die Klimaveränderungen des CO2-Speichers Wald. Dafür darf man allerdings nicht nur zu den weltweiten Regenwäldern schielen. Auch die niedersächsischen Forsten sind wichtig für den Klimaschutz. Durch intakte Wälder lassen sich Mio. Tonnen an Kohlenstoffdioxid kompensieren.

Große Schäden in niedersächsischen Forsten

Leider ist der Wald in einem schlechten Zustand. Stürme, Trockenheit und Schädlinge haben bei ihm vielerorts tiefe Spuren hinterlassen. In den letzten Jahren ist der Anteil aller Baumarten mit starken Schäden in Niedersachsen sprunghaft angestiegen und liegt inzwischen um mehr als 100 Prozent über dem langjährigen Mittel (siehe Grafik). Von 2015 bis 2020 hat sich die Schadholzmenge, die aus den Wäldern geholt wird, verfünffacht. Im Harz spielt sich ein richtiges Drama ab!

Grafik "Anteil aller Baumarten mit starken Schäden in Niedersachsen"

DGB

Es dürfte klar sein, dass diese Entwicklung eine direkte Folge der klimatischen Veränderungen ist. Um die Schäden zu beseitigen und die Wälder der Zukunft anzulegen, sind deshalb ausreichend Fachleute gefragt. Und genau hier liegt die Krux: Es herrscht akute Personalnot. Allein bei den Niedersächsischen Landesforsten ist die Zahl der aktiven Beschäftigten seit 2005 um rund ein Fünftel geschrumpft. Hinzu kommen noch die personellen Lücken in den kommunalen Betrieben und den Privatwäldern. In Summe fehlen bundesweit etwa 11.000 Forstbeschäftigte.

Beschäftigte durch Personalnot am Limit

Die unmittelbare Folge der zu knapp bemessenen Personaldecke ist eine extrem hohe Arbeitsbelastung. Laut einer aktuellen Umfrage der IG BAU geben 70 Prozent der Forstleute an, emotional ausgelaugt zu sein. Neun von zehn Befragten klagen, dass im Betrieb nicht genug Beschäftigte vorhanden sind, um die anfallende Arbeit zu schaffen. Mit Dauerstress ist weder der Gesundheit, dem Wald noch dem Klima geholfen.

Mehr Personal dringend gebraucht

Umso entschiedener gilt es nun gegenzusteuern. In Niedersachsen müssen Sparmaßnahmen in den öffentlichen Forstverwaltungen und Forstbetrieben unverzüglich gestoppt werden. Es braucht stattdessen überall einen Aufbaupfad für mehr qualifiziertes Personal. Hierbei sind faire Einkommen, gute Arbeitsbedingungen und genug Ausbildungsplätze mit Übernahmegarantie zwingend erforderlich. Waldpflege, Klimaschutz und das Wohl der Beschäftigten müssen Hand in Hand gehen. Mensch und Natur werden es danken!


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