Deutscher Gewerkschaftsbund

03.02.2022
#schlaglicht 04/2022

Norden zum Industrie-Leuchtturm der Transformation machen!

Die sozial-ökologische Transformation ist eine große Herausforderung – auch für den Norden als Industriestandort. Bisher ist zu wenig geschehen, um mehr Klimaschutz mit Wertschöpfung und guter Arbeit zu vereinen. Nötig ist eine abgestimmte Industriepolitik der norddeutschen Länder, meint das #schlaglicht 04/2022 aus Niedersachsen.

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Junge Fabrikarbeiterin mir Helm

DGB/Dmitriy Shironosov/123rf.com

Noch immer läuft der Konjunkturmotor mit gedämpfter Leistung. Corona sowie entsprechende Schutzmaßnahmen, Lieferengpässe und gestiegene Materialpreise haben dazu geführt, dass die Wirtschaftsleitung im letzten Quartal 2021 spürbar zurückgegangen ist. Für das laufende Jahr rechnet die Bundesregierung zwar weiter mit einem ordentlichen Wachstum und einem robusten Arbeitsmarkt. Dennoch musste sie ihre Erwartungen im aktuell vorgelegten Jahreswirtschaftsbericht etwas nach unten korrigieren.

Klimaschutz ist Megaprojekt für Industrie

Jenseits dieser eher temporären Eintrübungen werden die Aufgaben nicht gerade kleiner. Der Umbau der Wirtschaft hin zu deutlich mehr Klimaschutz ist ein beispielloser Prozess, der in Zukunft noch an Tempo aufnehmen wird (und muss). Hierbei sieht sich insbesondere die Industrie – auch in Norddeutschland! – vor enorme Herausforderungen gestellt. Um sie klimaneutral zu gestalten, müssen in den Betrieben neue Technologien, Produkte und Geschäftsmodelle etabliert werden.

Industrielle Wertschöpfung sichert gute Löhne

Der norddeutsche Industriestandort hat für Wertschöpfung und Wohlstand eine hohe Bedeutung. Durch ihre Produktivität und Innovationskraft sind die Unternehmen überaus leistungsfähig. In Summe arbeiten über eine Mio. Beschäftigte direkt in der Industrie, zahlreiche weitere Arbeitsplätze etwa bei Zulieferern und Dienstleistern kommen noch hinzu. Tarifbindung und Mitbestimmung sind stark ausgeprägt. Die Bruttostundenlöhne von Vollzeit-Fachkräften in industriellen Leitbranchen liegen fast durchgängig über dem Durchschnitt der Gesamtwirtschaft (siehe Grafik). Ein wichtiger Beitrag zu mehr Verteilungsgerechtigkeit und sozialer Stabilität.

Bruttostundenlöhne von Vollzeit-Fachkräften in industriellen Branchen

DGB

Zukünftig muss es darum gehen, die industrielle Substanz inklusive guter Arbeit nicht nur zu sichern, sondern sogar auszubauen und gleichzeitig mit mehr den Erfordernissen des Klimaschutzes zu vereinen. Es reicht nicht aus, sich nur blind auf die Kräfte des freien Marktes zu verlassen. Notwendig ist eine aktive Industriepolitik, die auf Aufbruch setzt und dem Wandel ihren Stempel aufdrückt. Die norddeutschen Bundesländer stehen deshalb in der Verantwortung, zügig einen detaillierten Fahrplan für die Transformation auf den Weg zu bringen.

Umfassende Transformationsstrategie statt Kleinklein

Bisher verlaufen die Fortschritte ausgesprochen schleppend. Mit Ausnahme von einigen Bereichen – speziell bei Wasserstoff – handelt es sich um viel Stückwerk. Dagegen braucht es eine abgestimmte Politikstrategie, die den Ausbau erneuerbarer Energien massiv beschleunigt, Planungs- und Genehmigungsbehörden personell stärkt, finanzielle Hilfen an sozial-ökologische Kriterien knüpft, öffentliche Investitionen trotz Schuldenbremse mobilisiert und Aus- und Weiterbildung von Beschäftigten in den Fokus nimmt.

Norden zum ökologisch-industriellen Leuchtturm ausbauen

Zu diesen Themen macht DGB in einer aktuellen Studie konkrete Vorschläge (hier abrufbar https://niedersachsen.dgb.de/-/c6X). Darin wird gezeigt, dass der Norden das Potenzial hat, um mit seinen Schlüsselindustrien (Windkraft, Stahl, Verkehr etc.) zum bundesweiten Leuchtturm der sozial-ökologischen Transformation zu werden. Mehr Industrie bedeutet mehr Klimaschutz und mehr Wohlstand. Dafür müssen die einzelnen Landesregierungen aber gemeinsam gegenüber dem Bund auftreten. Es ist Zeit, die Ärmel hochzukrempeln!


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