Deutscher Gewerkschaftsbund

07.05.2020

Offener Brief der Allianz für den freien Sonntag in Nds.

"Geschlossen"-Schild an der Glastür eines Ladengeschäfts

Colourbox.de

Offener Brief an
den Niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil,
den Wirtschaftsminister Bernd Althusmann
und die Mitglieder des Niedersächsischen Landtages

 

Gesellschaftliche Fundamente stärken und Standards erhalten!

 

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Weil,
ehr geehrter Herr Wirtschaftsminister Althusmann,
Sehr geehrte Damen und Herren des Niedersächsischen Landtages,

die Corona-Pandemie ist eine große Herausforderung, die für viele Menschen weltweit großes Leid bedeutet. Auch Niedersachsen ist von den umfassenden Folgen in vielfältiger Weise betroffen. Es ist eine große Erleichterung, dass in Niedersachsen bisher Schlimmeres verhindert werden konnte. Es ist sehr zu würdigen, dass die Menschen in Niedersachsen bisher mit großer Umsicht und Verständnis diesen Weg durch die Pandemie gemeinsam gegangen sind.

Das kurzfristige Krisenmanagement war wichtig und richtig, auch wenn damit viele Härten beispielsweise für die Wirtschaft und die Arbeitnehmerschaft verbunden waren.

Nach der ersten Phase der Krisenreaktion ist nun allerdings die Zeit gekommen, dass wir uns gemeinsam weitergehende Gedanken darüber machen sollten, wie das Leben in Zeiten der Pandemie und danach zu organisieren ist. Es ist von grundlegender Bedeutung, aus dieser Krise die richtigen Schlüsse zu ziehen und unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft krisenfester zu machen.

Diese Pandemie zeigt deutlich: Ein Handeln, dass auf reinem Gewinn- und Effizienzstreben und ökonomischem Kurzfristdenken basiert, hat Strukturen und Mechanismen gestärkt, die nicht prioritär dem Wohle aller Menschen dienen, sondern unsere Gesellschaft sehr anfällig gemacht haben. Wir brauchen deshalb nun dringend eine tiefe Nachdenklichkeit, die besonnen und mit geöffneter Perspektive auf die aktuellen Geschehnisse schaut.

Als Allianz für den freien Sonntag in Niedersachsen sprechen wir uns dafür aus, einen politischen Diskurs darüber zu starten, wie wir heute und in Zukunft ein Zusammenleben des Ausgleichs in Solidarität, Freiheit, Vielfalt und Weltoffenheit stärken können.

Es ist nachvollziehbar, dass derzeit ein Hauptaugenmerk darauf gerichtet ist, wie die Wirtschaft und die Arbeitsplätze in Niedersachsen gestützt und erhalten bleiben können. Es geht dabei um die Sicherung unseres Wohlstands. Allerdings muss dabei eindeutig klar sein, dass die grundlegenden Standards unserer Arbeitswelt nicht zur Disposition gestellt werden dürfen.

Als Allianz sind wir der Auffassung, dass unsere Gesellschaft für die Zukunft besser gerüstet ist, wenn wir nicht alle Bereiche den vermeintlichen ökonomischen Zwängen unterordnen. Bei der Organisation und Ausstattung der öffentlichen Daseinsvorsorge – so etwa der medizinischen und gesundheitlichen Versorgung – liegt das in diesen Tagen besonders auf der Hand. Aber auch darüber hinaus sind wir der Auffassung, dass eine permanente Rastlosigkeit kontraproduktiv für die gesellschaftliche Entwicklung ist.

Wir brauchen heute und in Zukunft gesellschaftliche Ankerpunkte zur Entspannung und Besinnlichkeit. Der arbeitsfreie Sonntag ist nicht zuletzt deshalb grundgesetzlich geschützt, weil er genau eine solche Funktion erfüllt. Auch in einer künftig veränderten Gesellschaft wird der Sonntag seine wesentliche Bedeutung behalten oder auch neu und anders entdeckt werden. Unter dem Deckmantel einer Corona-Maßnahme darf deshalb nicht die Hand an den arbeitsfreien Sonntag gelegt werden.

Es ist wichtig, dass Niedersachsen der aktuellen Diskussion über erweiterte Ladenöffnungen an Sonntagen eine entschiedene Abfuhr erteilt. Die betroffenen Beschäftigten, etwa im Lebensmitteleinzelhandel, arbeiten bereits am Limit. Eine Ausweitung ihrer Arbeitszeit auf den Sonntag ist für die Versorgung der Bevölkerung nicht notwendig. Durch die zusätzliche Belastung der Beschäftigten wird diese sogar eher gefährdet.

Die Corona-Pandemie versetzt viele Menschen in Unruhe, in Ängste und in Nöte. Bitte machen Sie sich dafür stark, dass unsere gesellschaftlichen Fundamente sichtbar erhalten bleiben. Der arbeitsfreie Sonntag muss vor diesem Hintergrund ein wichtiges Stück Normalität bleiben.

Mit freundlichen Grüßen

 

Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Frederick Heidenreich
Sprecher der Landesallianz für den freien Sonntag
Sprecher der KAB in Niedersachsen


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