Deutscher Gewerkschaftsbund

12.03.2020
#schlaglicht 10/2020

Equal Pay Day: Und weiter klafft die Lohnlücke!

Frauen verdienen immer noch deutlich weniger als Männer. In Niedersachsen beträgt der Unterschied 8.000 Euro bei einer Vollzeitstelle. Auf ein ganzes Berufsleben gerechnet, könnte Frau sich davon ein Haus kaufen. Ungerecht! Und im 21. Jahrhundert nicht mehr tolerierbar, findet das #schlaglicht 10/2020. Es erläutert, welche Instrumente hier Abhilfe schaffen.

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Vekrografik Lohnlücke: Zwei Münzstapel mit niedrigem Stapel und Frau und höherem Stapel und Mann

DGB/Jozef Mičic/123RF.com

Kleiner Betriebsausflug: Seit Jahresbeginn arbeiten Sie in einem Unternehmen. Die Arbeit macht Spaß, es herrscht eine kollegiale Stimmung und Ihr Arbeitgeber ist mit Ihrer Leistung zufrieden. Die Sache hat nur einen Haken: Seit über zweieinhalb Monaten haben Sie für Ihre Tätigkeit keinen Cent gesehen. Sie sind nämlich eine Frau und gehören zur klitzekleinen 50-Prozent-Minderheit – Pech gehabt. Im Leben gibt es selten etwas gratis. Auf die Arbeit von weiblichen Beschäftigten trifft das leider zu. Zumindest bis kommenden Dienstag. Dann ist wieder Equal Pay Day. Bis zu diesem Tag des Jahres haben Frauen rechnerisch umsonst gearbeitet.

20 Prozent weniger nur aufgrund des Geschlechts

Fakt ist: Bei den Löhnen klafft zwischen Frauen und Männern eine riesige Lücke. Ganz vorne mit dabei ist auch Niedersachsen. Hier beträgt der Gender Pay Gap bei Vollzeit-Fachkräften 20 Prozent. Und damit genau 20 Prozent zu viel! Im Ranking der Bundesländer ist das ein unrühmlicher dritter Platz (siehe Grafik). Den weiblichen Beschäftigten fehlen hierdurch im Schnitt 8.000 Euro im Jahr. In einem vierzigjährigen Berufsleben sind das über 300.000 Euro, die sie weniger auf dem Konto haben. Das ist ungerecht!

Grafik "Gender Pay Gap bei Vollzeit-Fachkräften im Bundesländervergleich"

DGB

Der große Verdienstrückstand ist zum Teil strukturell bedingt. Frauen leisten immer noch die Hauptlast bei der Sorgearbeit, so dass ihre Erwerbsbiographien häufiger Brüche aufweisen. Nach einer Trennung kümmern in der Regel sie sich um die gemeinsamen Kinder. Dadurch finden sich viele weibliche Beschäftigte in der Teilzeitfalle wieder oder landen in prekären Minijobs. Hinzu kommt, dass in Berufen mit hohen Frauenanteil fast durchweg schlechter bezahlt wird als in traditionellen Männerdomänen. Aber selbst bei identischer Berufswahl und -erfahrung erhalten Frauen für die gleiche Arbeit oft weniger Geld. In Bereichen wie dem Einzelhandel, der Krankenpflege und dem Bankgewerbe schlägt eine Differenz von einem Zehntel oder mehr zu Buche. Das ist nichts als blanke Diskriminierung aufgrund des Geschlechts!

Niedriglöhne produzieren Altersarmut bei Frauen

Niedrige Löhne verringern aber nicht nur die Teilhabechancen von Frauen im Hier und Jetzt. Denn die Absicherung im Alter ist das Spiegelbild des Arbeitslebens. Bei schlechter Bezahlung fällt die gesetzliche Rente ziemlich dürftig aus. Eine Neurentnerin in Niedersachsen bekommt im Monat durchschnittlich 692 Euro, während ihr männliches Pendant 1.127 Euro erhält. Das sind fast 40 Prozent weniger. Altersarmut ist deshalb überwiegend weiblich geprägt. Die beschlossene Grundrente federt die Rentenkluft ein wenig ab, kann das Problem aber nicht alleine lösen.

Tarifbindung und Entgelttransparenzgesetz würden die Lohnlücke verkleinern

Equal pay every day ist eine zentrale Frage der Gerechtigkeit. Das Gesetz zur Brückenteilzeit und das Entgelttransparenzgesetz gehen zwar in die richtige Richtung. Sie müssen aber verbindlicher gestaltet werden und nicht erst ab einer bestimmten Betriebsgröße gelten. Doch das beste Mittel für gleiche Bezahlung ist eine höhere Tarifbindung. Denn Tarifverträge unterscheiden nicht zwischen Frau und Mann. Mit ihnen schmilzt folglich die Lohnlücke. Und genau diese Wertschätzung haben sich alle Frauen vom ersten Arbeitstag an verdient. Das sollten auch die Arbeitgeber begreifen. Wir leben immerhin im 21. Jahrhundert und nicht im Mittelalter!

 

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