Deutscher Gewerkschaftsbund

06.02.2020
#schlaglicht 05/2020

Amazon: Mit Lohndumping zu satten Profiten!

Der Versandhandel boomt. Vor allem Amazon verdient sich daran eine goldene Nase und hat 22 Mrd. Dollar im Jahr 2019 umgesetzt. Wer nicht ausreichend davon profitiert, sind die Beschäftigten. Sie erhalten mit 11,10 Euro pro Stunde nur die Löhne der Logistik-Branche. Amazon ist jedoch eindeutig ein Handelsunternehmen und müsste demnach höhere Löhne zahlen. Das #schlaglicht Nummer 05/2020 aus Niedersachsen fordert den Handelsgiganten auf, endlich Tarifgespräche zu führen.

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Mann klebt Karton in Lager eines Versandhändlers zu

Colourbox

Dingdong, es klingelt mal wieder und der Paketservice steht vor der Haustür, um eine Lieferung zu übergeben. Es ist nicht gerade unwahrscheinlich, dass es sich um eine Online-Bestellung handelt, die auf der Plattform des Internetgiganten Amazon getätigt wurde. Der 1994 als elektronisches Buchgeschäft gestartete US-Konzern hat sich zum weltgrößten digitalen Handelsplatz für Verbrauchsgüter aller Art entwickelt. Bequem von zu Hause aus auf Einkaufstour zu gehen, ist für viele Menschen mittlerweile eine Selbstverständlichkeit und aus dem Alltag kaum noch wegzudenken.

Amazons Geschäfte laufen blendend

Amazon ist eine gigantische Wachstumsmaschine – auch in Deutschland. Ein Ende ist derzeit nicht absehbar. Im Jahr 2010 betrug der Umsatz hierzulande knapp über 5 Mrd. Dollar. Diesen konnte der Konzern bis heute auf mehr als 22 Mrd. Dollar steigern. Eine Zunahme von 320 Prozent in nur zehn Jahren (siehe Grafik). Nach den letzten Quartalszahlen inklusive Gewinnanstieg waren die Börsen prompt in Feierstimmung und schickten den Aktienkurs steil nach oben.

Grafik Umsatzentwicklung von Amazon in Deutschland 2010-2019

DGB

Die Frage ist nur: Was haben die Beschäftigten davon, die für den Unternehmenserfolg verantwortlich sind? Auf jeden Fall zu wenig. Die Unternehmensführung spricht zwar gerne von guter Bezahlung, aber die Praxis sieht anders aus. Bis zuletzt hat der Handelsriese bestritten, überhaupt ein Einzel- und Versandhändler zu sein. Ein grotesker Vorgang. Stattdessen werden nur die niedrigeren Löhne der Logistikbranche gezahlt. Im Durchschnitt erhalten die Amazon-Beschäftigten 11,10 Euro pro Stunde. Das ist nicht allzu weit entfernt vom gesetzlichen Mindestlohn. Der Konzern drückt also die Löhne nach unten, um damit seine astronomischen Gewinne weiter in die Höhe schrauben zu können!

Logistik-Löhne bei einem Handelskonzern?

Nun folgt der nächste Akt im Schmierentheater: Überraschend ist Amazon nun doch Mitglied im Handelsverband Deutschland (HDE) geworden. Wer nun aber glaubt, dass sich grundsätzlich etwas ändert, sieht sich getäuscht. Das Unternehmen ist jetzt zwar ganz offiziell ein Einzel- und Versandhändler, will aber seinen Angestellten auch weiterhin keine branchenüblichen Löhne zahlen. Von einem Tarifvertrag will Amazon erst recht nichts wissen. Der Konzern hat damit die Chance vertan, soziale Verantwortung zu zeigen. Seine Devise lautet: Nehmen ist seliger denn Geben.

Satte Gewinne gäben anständige Löhne her

Für die Beschäftigten ist das kein erfreulicher Zustand. Durch Amazons Lohnpolitik landet bei ihnen zu wenig Geld in der Tasche. Viele könnten mehr gebrauchen, um ihr Leben zu bestreiten. Die Gewinne geben das locker her. Aber der Konzern gibt sein Geld lieber für teure Anwaltskanzleien aus, um Steuern an der Staatskasse vorbeizuschleusen. Amazon ist einer der weltweit größten Finanztrickser.

Beschäftige haben endlich einen Tarifvertrag verdient!

Klar ist: Satte Profite vertragen sich nicht mit Lohndumping. Angesichts seiner harten Arbeit hat das Personal mehr verdient. Dafür muss Amazon endlich an den Verhandlungstisch treten, um mit den Beschäftigten und ihrer Interessenvertretung über einen Tarifvertrag zu verhandeln. Sonst bleibt das Gerede von guten Löhnen nur eine hohle Phrase und die schöne neue Shoppingwelt hätte einen faden Beigeschmack!

 

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