Deutscher Gewerkschaftsbund

19.11.2020
#schlaglicht 42/2020

Gastgewerbe-Lockdown: Beschäftigte fallen unter den Tisch

Die Löhne im Gastgewerbe waren schon immer niedrig. Corona und Kurzarbeit verschärfen die Situation massiv. Trotzdem kommen die Hilfspakete nur bei den Arbeitgebern an. Bei den Beschäftigten bleibt nicht viel hängen. Damit die Corona-Krise nicht zur sozialen Krise wird, braucht es einen Rettungsschirm für die Beschäftigten im Gastgewerbe, fordert das #schlaglicht 42/2020 aus Niedersachsen.

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Frau (Kleidung einer Bedienung in Restaurant) stellt in leerer Restaurant-Umgebung Stühle auf Tische

Colourbox.de

Die Hotelbetten sind leer, die Restauranttische ungedeckt und die Barhocker verwaist – seit fast drei Wochen ist der Corona-Lockdown im Gastgewerbe nun bittere Realität. Damit wird die Branche zum zweiten Mal mit voller Wucht von der Pandemie und den beschlossenen Gegenmaßnahmen getroffen. Während der ersten Virus-Welle brachen die Umsätze in Niedersachsen bis Ende Juni um 40 Prozent ein. Unzählige Arbeitsplätze gingen verloren. Nun ist die wirtschaftliche und soziale Unsicherheit für alle Beteiligten erneut zurück. Und mit ihr allgegenwärtige Existenzängste!

Einseitige Hilfspakete zugunsten der Arbeitgeber

Allerdings gilt: Die derzeitigen Belastungen sind ungleich verteilt. Die Bundesregierung hat für das Gastgewerbe ein großzügiges Hilfspaket geschnürt, das nur den Arbeitgebern zugutekommt. Bereits im Frühjahr erhielten sie durch die Mehrwertsteuersenkung eine Entlastung. Nun wurde nochmal nachgelegt: Um die Einnahmeausfälle zu kompensieren, erhalten die von Schließungen betroffenen Betriebe staatliche Zuschüsse in Höhe von 75 Prozent. Als Maßstab gelten die durchschnittlichen Wochenumsätze vom November 2019. Zudem werden Einnahmen aus dem Außer-Haus-Verkauf von den gewährten Geldern nicht abgezogen.

Herbe Einkommensverluste im Gastgewerbe

Völlig anders sieht es für die Beschäftigten aus. Ihre Belange fallen komplett unter den Tisch. Dabei hätten sie es angesichts der niedrigen Bezahlung mehr als nötig. Vollbeschäftigte im niedersächsischen Gastgewerbe verdienten im ersten Quartal 2020 – dem letzten ohne vollständiges Pandemiegeschehen – rund 2.300 Euro brutto im Monat. Nach Abzügen bleibt hier schon unter normalen Umständen wenig zum Leben übrig. Dann kamen Corona und die Kurzarbeit: Als Folge sind ihre monatlichen Bruttoeinkommen im zweiten Quartal um weit mehr als ein Drittel auf unter 1.500 Euro geschrumpft. Auch die Teilzeitkräfte mussten große Verluste einstecken (siehe Grafik). Es sind beispiellose Einbrüche, die sich in keiner anderen Branche finden lassen.

Grafik "Entwicklung der Bruttomonatslöhne im niedersächsischen Gastgewerbe"

DGB

Nun verschärft der neuerliche Stillstand von vielen die ohnehin schon prekäre Finanzsituation. Laut einer aktuellen Umfrage sind vier von fünf Gastro-Beschäftigten im Norden wieder oder immer noch in Kurzarbeit. Neben den Lohneinbußen gehen damit erneut die unverzichtbaren Trinkgelder verloren. Viele können ihren Unterhalt kaum noch selbstständig bestreiten. Nach langen Monaten sind die Ersparnisse aufgebraucht, haben sich Miet- und Unterhaltsschulden aufgebaut. Für die Beschäftigten wird aus der pandemischen Krise zunehmend eine soziale Krise!

Auch die Beschäftigten müssen unter dem Rettungsschirm Platz finden

Dieser Notlage muss jetzt die Stirn geboten werden. Schließlich lassen die Infektionszahlen selbst eine Rückkehr zum eingeschränkten Regelbetrieb in absehbarer Zukunft utopisch erscheinen. Die Hilfen für das Gastgewerbe dürfen deshalb keine Einbahnstraße in Richtung der Arbeitgeber bleiben. Auch die Beschäftigten brauchen einen Rettungsschirm. Weil ein Kurzarbeitergeld von wenig noch viel weniger ist, dürfen öffentliche Mittel in voller Höhe nur an Betriebe gehen, die eine kräftige Aufstockung an ihr Personal leisten. Außerdem darf es keine Steuernachzahlung auf das Kurzarbeitergeld geben. Das wäre ein echter Service an den Beschäftigten!

 

 


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