Deutscher Gewerkschaftsbund

03.09.2020
#schlaglicht 31/2020

Soziale Ungleichheit: Armut weiter auf dem Vormarsch!

Die Armut wächst! In Niedersachsen ganz besonders. Hier sind 1,36 Millionen Menschen von Armut betroffen, besonders junge Menschen, Alleinerziehende und Menschen mit Migrationshintergrund. Die Ursachen sind allseits bekannt: Niedriglöhne, prekäre Jobs, Arbeitslosigkeit und eingedampfte Sozialleistungen. Nur eine grundsätzliche politische Wende kann die Armut zurückdrängen, so das #schlaglicht 31/2020.

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Buchstabensuppe und auf einem Löffel die Buchstaben A R M U T

DGB/Kunkel(Best Sabel)

Armut trifft den Menschen in seiner Gesamtheit. Materielle Grundbedürfnisse können nur unzureichend befriedigt werden. Wer als Kind in einer armen Familie aufwächst, hat schlechtere Bildungs- und damit auch Aufstiegschancen. Menschen ohne ausreichendes Einkommen sind gesundheitlich öfter beeinträchtigt und haben eine geringere Lebenserwartung. Ohne genügend Geld ist die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in jeder Altersklasse im erheblichen Maße beeinträchtigt. Kurzum: Armut schadet – jedem Einzelnen und letztlich auch der Gesellschaft als Ganzes!

Was bedeutet Armut in Deutschland?

Als arm oder von Armut gefährdet gelten Personen, wenn ihnen pro Monat weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung steht. Das sind gegenwärtig 1.074 Euro für eine Einzelperson und für einen Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern 2.256 Euro. Es braucht angesichts dieser geringen Summen wenig Vorstellungkraft, um zu ermessen, wie eingeschränkt das Leben für die Betroffenen unter diesen Umständen abläuft.

Die Armut wächst - in Niedersachsen stärker als im Rest des Landes

Aber obwohl es an Erkenntnissen über die sozialen Folgen nicht mangelt, gibt es beim Kampf gegen Armut keine Fortschritte. Stattdessen ist sie weiter auf dem Vormarsch. In Niedersachsen lag die Armutsgefährdungsquote im letzten Jahr bei 17,1 Prozent. Das ist der höchste Wert seit ihrer erstmaligen Erhebung im Jahr 2005. Daran konnte auch eine Dekade andauernden Wirtschaftswachstums nichts ändern. Der Bundesdurchschnitt liegt mit 15,9 Prozent ein ganzes Stück niedriger (siehe Grafik). Bei einer niedersächsischen Gesamtbevölkerung von über 7,98 Millionen Menschen sind insgesamt 1,36 Millionen von ihnen unmittelbar mit Armut konfrontiert. Seit 2005 ist ihre Zahl um fast 125.000 gestiegen!

Grafik "Entwicklung der Armutsgefährdungsquote seit ihrer Erhebung"

DGB

Die Ursachen sind gut dokumentiert: Niedriglöhne, prekäre Jobs, Arbeitslosigkeit und eingedampfte Sozialleistungen haben die Probleme verschärft. Überdurchschnittlich betroffen sind Kinder, junge Erwachsene, Alleinerziehende, Erwerbslose und Menschen mit Migrationshintergrund. Dazu nimmt die Altersarmut in hohem Tempo zu.

Eine ganze Generation "Corona" droht

Nun folgt auch noch die Corona-Pandemie. Allerdings ist die Krise kein Gleichmacher, sondern verschärft soziale Ungleichheiten. Untere Einkommensgruppen verlieren eher ihren Arbeitsplatz oder landen öfter in der Kurzarbeit. Außerdem droht eine verlorene Corona-Generation. Aktuell sind über 35.000 junge Menschen in Niedersachsen ohne berufliche Perspektive.

Mit politischer Wende gegen Armut

Umso dringender ist eine politische Wende auf breiter Ebene. Die skandalösen Hartz-IV-Regelsätze müssen endlich deutlich ansteigen. Gegen die Armut von Jung und Alt braucht es eine Kindergrundsicherung sowie ein spürbar höheres Rentenniveau. Daneben muss der Niedriglohnsektor durch eine höhere Tarifbindung, die Regulierung von prekärer Arbeit und einen armutsfesten Mindestlohn zurückgedrängt werden. Höhere öffentliche Investitionen müssen den Betrieben Planungssicherheit bieten, um alle jungen Fachkräfte übernehmen können. Das schafft mehr Gerechtigkeit. Und nur eine gerechte Gesellschaft ist eine stabile Gesellschaft!

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