Deutscher Gewerkschaftsbund

13.09.2012

Tagung Übergang Schule – Beruf

Diskussionen und Lösungsansätze für Niedersachsen

Viele junge Menschen können nach der Schule keine Ausbildung beginnen. Denn Unternehmen stellen nach wie vor zu wenige Ausbildungsplätze zur Verfügung Als Alternative münden zahlreiche junge Menschen in die Maßnahmen des sogenannten "Übergangssystems" ein.

Viele dieser Maßnahmen sind jedoch lediglich Warteschleifen, die nicht zum Erwerb betrieblicher Qualifikationen führen. Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, brauchen aber eine sinnvolle, zielgerichtete Alternative. Die Reform des Übergangs von der Schule in den Beruf steht daher vor großen Herausforderungen.

Welche Alternativen es zum derzeitigen Übergangsmanagement gibt und wie jedem Jugendlichen eine vollqualifizierende Ausbildung ermöglicht werden kann, diskutierte der DGB am Mittwoch, den 5. September mit den bildungspolitischen Sprecherinnen und Sprechern der niedersächsischen Landtagsfraktionen und dem Vorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Niedersachsen, Eberhard Brandt.

35.000 Bewerberinnen und Bewerber in Niedersachsen konnten im vergangenen Jahr keine Ausbildung beginnen, 48.000 mündeten 2011 in das Übergangssystem. Vor diesem Hintergrund bedauerte Lars Niggemeyer, Abteilungsleiter für Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik beim DGB-Bezirk in seiner Begrüßung, dass die Reform des Übergangssystems ein Stiefkind der politischen Debatte sei. Mit der Veranstaltung wolle der DGB dazu beitragen, die Debatte darum anzustoßen.

DGB: Übergang von der Schule in den Beruf (PDF, 348 kB)

Übergang von der Schule in den Beruf. Diskussion und Lösungsansätze für Niedersachsen von Lea Arnold, Ulla Holterhus und Lars Niggemeyer

In seinem Eingangsstatement gab Martin Koch, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Hannover, einen Überblick über das Übergangssystem in Niedersachsen. Es besteht aus zahlreichen schulischen und außerschulischen Angeboten wie Berufsvorbereitungsjahren, Berufseinstiegsklassen, Einstiegsqualifizierungen oder Berufsvorbereitenden Maßnahmen.

Übergangen vom Ausbildungsboom? (PDF, 326 kB)

Fachvortrag 05.09.2012 von Martin Koch (Institut für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung, Abteilung Sozialpädagogik)

Horst Linke, Schulleiter Gewerbeschulen, sowie Armin Grams, Geschäftsführer und Leiter Berufsbildung der Handelskammer Hamburg, erläuterten das "Hamburger Ausbildungsmodell". Dieses Konzept wurde 2009 in einem parteiübergreifenden Konsens in Hamburg eingeführt. Ziel ist es, allen ausbildungsreifen Jugendlichen einen Ausbildungsplatz zu garantieren. Dazu setzt das System unter anderem auf eine nachhaltige Berufs- und Studienorientierung und eine starke Verzahnung zwischen allgemeiner und beruflicher Schulen.

Das Hamburger Ausbildungsmodell (PDF, 303 kB)

Das Hamburger Ausbildungsmodell. Vortrag von Horst Linke, Schulleiter Gewerbeschulen, sowie Armin Grams, Geschäftsführer und Leiter Berufsbildung der Handelskammer Hamburg

In der Podiumsdiskussion der Bildungspolitikerinnen und -politiker aus dem niedersächsischen Landtag wurde deutlich, dass sie die Lage auf dem Ausbildungsmarkt unterschiedlich einschätzen. Während die Vertreter von CDU und FDP in den vergangenen Jahren eine positive Entwicklung beobachtet hatten, teilten die Vertreterinnen von SPD, Grünen und Linkspartei die Einschätzung des DGB, dass dringender Handlungsbedarf vor allem im Übergangssystem besteht.

Podiumsdiskussion zum Thema

Lea Arnold (DGB) moderiert die Podiumsdiskussion mit den bildungspolitischen SprecherInnen der Landtagsfraktionen und Eberhard Brandt (GEW). DGB Niedersachsen

Grundsätzlich herrschte jedoch Bereitschaft zu der Frage, die Berufsorientierung an allgemeinen Schulen qualitativ zu verbessern. Eberhard Brandt, GEW, betonte, es müsse nicht nur um Berufsorientierung allein, sondern um die grundsätzliche Frage der Lebens- und Arbeitsweltorientierung gehen.

Lea Arnold, Abteilung Bildung des DGB-Bezirks, konnte so zum Abschluss der Veranstaltung feststellen, dass es dem DGB mit dieser Veranstaltung gelungen ist, einen wichtigen Anstoß für die Diskussion um das Übergangssystem in Niedersachsen zu geben.


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Das Hamburger Modell

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