Deutscher Gewerkschaftsbund

22.04.2021
#schlaglicht 15/2021

Ausbildungsplatzgarantie – Niemand darf zurückbleiben!

Es mangelt an Ausbildungsplätzen. Corona verschärft das Problem. Für die jungen Menschen ist das eine Tragödie. Doch auch Betriebe werden darunter leiden, wenn ihnen in Zukunft Fachkräfte fehlen. Mit einem Sofortprogramm des Landes und einer Ausbildungsplatzgarantie muss Abhilfe geschaffen werden, fordert das #schlaglicht 15/2021 aus Niedersachsen.

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Junge Frau mit Schutzheln trägt Holzlatten

DGB/Lisa Young/123rf.com

In der fünften Verhandlungsrunde erfolgte der Durchbruch. Zuvor hatten die Beschäftigten den Druck mit Warnstreiks und Protestaktionen auch unter Corona-Bedingungen ordentlich erhöht. Künftig erhält die Belegschaft des Volkswagenkonzerns nicht nur mehr Geld, sondern sie hat zusätzlich Anspruch auf eine Zusatzvergütung oder mehr freie Tage.

Tarifvertrag sichert Jugend die Ausbildung

Beachtung verdient der Abschluss aber noch aus einem anderen Grund: Im Haustarifvertrag wurde die bereits bestehende Ausbildungsgarantie fortgeschrieben. Bis 2025 hat sich das Unternehmen dazu verpflichtet, jährlich 1.400 jungen Menschen den Berufseinstieg über einen Ausbildungsplatz oder ein duales Studium zu ermöglichen. Der Nachwuchs hat dadurch eine Zukunft!

Niedersächsische Betriebe haben Ausbildungsplätze massiv reduziert

Nun mag dieses Beispiel nicht repräsentativ sein. Aber es ist in Corona-Zeiten eine wichtige Erfolgsmeldung. Denn die Pandemie hat den Ausbildungsmarkt mit voller Wucht getroffen. Es ist mehr als nur ein blaues Auge. In Anbetracht der unsicheren Wirtschaftslage haben viele Betriebe ihre Ausbildungsbereitschaft deutlich reduziert. 2020 wurden in Niedersachsen nur 48.200 neue Ausbildungsverträge abgeschlossenen – ein Allzeittief! Gegenüber dem Vorjahr ist ihre Zahl um mehr als 10 Prozent regelrecht eingebrochen. Im Vergleich der Flächenländer gab es nur in Hessen und Nordrhein-Westfalen noch größere Rückgänge (siehe Grafik). Das ist ein extrem bitterer Platz auf dem Treppchen.

Grafik "Rückgang der abgeschlossenen Ausbildungsverträge gegenüber dem Vorjahr"

DGB

Diese ohnehin schon dramatische Situation könnte sich nun weiter verschärfen. Schon seit geraumer Zeit wird der niedersächsische Ausbildungsmarkt durch einen strukturellen Mangel an Lehrstellen geplagt. Im letzten Jahr sind insgesamt über 9.300 junge Menschen bei der Suche leer ausgegangen. Gemeinsam mit dem aktuellen Jahrgang werden viele von ihnen bald wieder auf den Markt drängen. Währenddessen haben zahlreiche Betriebe angekündigt, erneut weniger oder gar keine Ausbildungsplätze besetzen zu wollen. Damit droht nochmals eine Ausweitung der Angebotslücke.

Jede fehlende Lehrstelle kostet Fachkräfte in der Zukunft

Für die Jugendlichen ist dieses Szenario eine Tragödie, die unbedingt verhindert werden muss. Ohne eine Ausbildung fehlen ihnen die beruflichen Perspektiven. Schon aus Eigeninteresse sollten die Betriebe hier gegensteuern. Jede Lehrstelle, die sie heute streichen, hat morgen eine Fachkraft weniger zur Folge. Sie sollten dem Nachwuchs daher die Betriebstüren öffnen. Die duale Berufsausbildung ist ein Gütesiegel für qualifizierte Beschäftigte. Und deren Know-how wird dringend gebraucht.

Ausbildungsplatzgarantie muss unbedingt her

Daneben ist in der aktuellen Krise auch die Politik gefragt. Um junge Menschen schnell in die betriebliche Ausbildung zu überführen, sollte die Landesregierung ein Sofortprogramm auflegen. Dieses muss eine erhöhte Ausbildungsplatzprämie sowie mehr außerbetriebliche Lehrstellen umfassen. Mittelfristig bedarf es aber des gesellschaftlichen Versprechens einer Ausbildungsplatzgarantie. Über einen Zukunftsfonds müssen sich alle Betriebe an der Finanzierung von genügend Ausbildungsplätzen beteiligen. Schließlich profitiert jeder von ausgebildeten Fachkräften. Es darf niemand zurückbleiben!

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