Deutscher Gewerkschaftsbund

31.01.2019
#schlaglicht 04/2019

Mietenwahnsinn kettet Studierende ans Elternhaus!

Immer mehr junge Leute in Niedersachsen müssen während des Studiums im Elternhaus wohnen bleiben. Grund sind die Mieten. Sie steigen vor allem in den Ballungszentren. Die Landesregierung muss günstige Wohnungen schaffen. Wie das gehen kann, beschreibt #schlaglicht Nummer 04/2019.

Flickr.com - CC BY-NC-ND 2.0 (rachel titiriga)

Im Frühjahr und Herbst diesen Jahres wird es wieder so weit sein: Unzählige junge Menschen werden an die niedersächsischen Hochschulen strömen, um ihr Studium zu aufzunehmen. Für die Erstsemester beginnt damit ein neuer Lebensabschnitt. Sie entscheiden sich für eine wissenschaftliche Fachrichtung und stellen die Weichen für ihre berufliche Zukunft. Aber nicht nur das: Mit dem Schritt verbinden viele Studierende auch den Wunsch nach Erwachsenwerden und Selbstständigkeit. Sie möchten deshalb das Elternhaus verlassen und in die eigenen vier Wände ziehen. Doch für immer mehr von ihnen bleibt dieser Traum unerfüllt!

Immer mehr junge Leute wohnen während des Studiums im Elternhaus...
Fakt ist: Die Zahl der Studierenden, die statt in der eigenen Bude zu leben noch ans Elternhaus gekettet sind, ist in den vergangenen fünfzehn Jahren geradezu explodiert. Am Hochschulstandort Hannover ist es mit 34,5 Prozent mehr als ein Drittel. Ein Anstieg von über 15 Prozent seit 2003. Auch in Hildesheim, Oldenburg und Braunschweig lassen sich im gleichen Zeitraum riesige Zuwächse verzeichnen. In jeder der drei Städte wohnt rund ein Viertel der Studierenden noch im elterlichen Heim (siehe Grafik).

Ansitz Studierende mit Wohnsitz im Elternhaus nach Wohnort

DGB

Das ist kein Vorwurf an die Studierenden. Die große Mehrheit will ausziehen. Vielmehr sind sie Opfer der Situation. Der Grund dafür ist auch ohne Glaskugel oder sonstige hellseherische Fähigkeiten leicht zu finden. Der Mietenwahnsinn hat Niedersachsens Wohnungsmarkt fest im Griff. Weil zu wenige Neubauten entstehen, ist eine gigantische Lücke entstanden. Allein in den Großstädten fehlen 110.000 bezahlbare Wohnungen. Als Folge schießen die Mieten überall durch die Decke. Logisch, dass die notorisch klammen Studierenden besonders unter der katastrophalen Lage leiden.

...Grund sind die steigenden Mieten.
In den Ballungszentren Hannover, Braunschweig und Oldenburg müssen über 40 Prozent der Haushalte mehr als 30 Prozent ihres Einkommens für die Miete ausgeben. Da bleibt nicht viel übrig für die sonstige Lebensführung. Kein Wunder also, dass gerade in angespannten Mietmärkten der Anteil an Studierenden mit Wohnsitz im Elternhaus extrem hoch ist. Ihren Eltern fehlen durch die eigene Mietbelastung die finanziellen Möglichkeiten, um ihre Kinder zu unterstützen. Auch das BAföG kann keine Abhilfe schaffen. Der mickrige Wohnzuschlag von derzeit 250 Euro reicht in großen Städten gerade einmal für eine Besenkammer!

Die Landesregierung muss günstige Wohnungen schaffen!
Es ist deshalb längst Zeit für eine wohnungspolitische Offensive der Landesregierung. Der private Markt ist völlig aus den Fugen geraten und die bisher getroffenen Maßnahmen reichen bei Weitem nicht aus. Jetzt hilft nur eins: Selbst bauen, bauen und nochmals bauen! Das Land muss zügig eine eigene Wohnbaugesellschaft gründen und als eigenständiger Anbieter auf den Markt zurückkehren. Öffentliche Grundstücke dürfen nicht mehr an gefräßige Immobilienhaie verscherbelt werden. Um die Studentenwerke beim Bau von Wohnheimen zu unterstützen, sind die Finanzhilfen des Landes dringend aufzustocken. Nur so wird bezahlbarer Wohnraum für alle geschaffen. Und die Studierenden erhalten den notwendigen Platz für mehr Selbstständigkeit.

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