Deutscher Gewerkschaftsbund

04.10.2019
#schlaglicht 35/2019

Viel Schmutz bei Auftragsvergaben in der Gebäudereinigung!

Die GebäudereinigerInnen stecken mitten in der Tarifrunde. Viele Arbeitgeber in der Branche legen den Beschäftigten Arbeitsverträge zu schlechteren Konditionen vor. Die Auftraggeber im öffentlichen Sektor nehmen häufig die üblen Arbeitsbedingungen der Reinigungskräfte in Kauf oder fördern diese durch eine Vergabe an billige Reinigungsfirmen. Den Arbeit- und Auftraggebern auf die Finger geschaut hat das #schlaglicht Nummer 35/2019.

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Gebäudereinigerin öffentliches Gebäude

DGB/kzenon/123RF.com

In der Gebäudereinigung knirscht es gewaltig. Im April hat der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks den bis Juli laufenden Rahmentarifvertrag einseitig gekündigt. Ein tarifpolitisches Foulspiel. Damit wollen sich die Möchtegern-Saubermänner vor einem Gerichtsurteil drücken, wonach Überstundenzuschläge auch für Teilzeitkräfte gelten müssen. Davon wollen die Firmen nichts wissen. Ohne den Tarifvertrag stehen für die Beschäftigten nun viele Errungenschaften auf dem Spiel. Mangelnde Wertschätzung gehört für die Arbeitgeber offenkundig zum Standardrepertoire!

Umsatzrekorde bei Arbeitgebern - Prekäre Jobs für Beschäftigte

Jeden Tag leisten die Reinigungskräfte unverzichtbare Arbeit. Ohne sie blieben überall Mülleimer voll, Toiletten ungeputzt und Fenster schmutzig. Dennoch ist die Branche von prekären Jobs geprägt. 80 Prozent der Beschäftigten – größtenteils Frauen – schuften für gerade einmal 10,56 Euro pro Stunde. Parallel verdienen sich die Unternehmen eine goldene Nase. Die Branche hat in der letzten Dekade ihren Jahresumsatz um 57 Prozent auf 17,9 Mrd. Euro gesteigert (siehe Grafik). Nur ihre Beschäftigten sehen wenig davon.

Jahresumsatzentwicklung im Gebäudereiniger-Handwerk in Deutschland

DGB

Hinzu kommt ein neuer Trend: Viele Betriebe nutzen die derzeitige Tarif-Lücke und diktieren ihren Beschäftigten geänderte Arbeitsverträge. Schamlos werden Urlaubstage gekürzt, Zuschläge gestrichen und andere Standards gesenkt.

Besonders hakt es auch bei der Auftragsvergabe. Die Privatwirtschaft und der öffentliche Sektor nutzen im großen Stil Leistungen der Gebäudereinigung. Leider werden die Aufträge häufig nach dem „Billiger geht immer“-Prinzip vergeben. Es werden Firmen mit dem niedrigsten Angebot belohnt. Das geht oft mit Lohnabbau und miesen Arbeitsbedingungen einher. Das schert viele Auftraggeber aber wenig, weil sie nur durch ihre Kostenbrille schauen. Doch gerade staatliche Auftraggeber sollten genau prüfen, wohin die Mittel fließen. Öffentliche Gelder vertragen sich nicht mit Lohndumping!

Öffentliche Auftraggeber wie der NDR stehen in einer besonderen Verantwortung

Einen solchen Fall gibt es aktuell beim NDR in Hannover. Dort hat die Götz GmbH & Co KG gerade den Auftrag erhalten. Da die bisherigen Reinigungskräfte ihre Arbeit behalten wollen, müssten sie den Dienstleister wechseln. Nach Informationen der IG BAU hat dieser ihnen neue Verträge vorgelegt. Konkret wird ein Vorarbeiter nur noch für die Hälfte der Schicht in dieser Funktion eingesetzt. Für den Rest wurde er als Reinigungskraft eingruppiert und verdient weniger. Insgesamt soll die Stimmung bei allen Beschäftigten im Keller sein. Das sollte der NDR wissen. So etwas schadet unnötig seinem guten Ruf. Dieses Beispiel ist kein Einzelfall, auch viele andere Auftraggeber sollten um ihren Ruf besorgt sein.

Auftragsvergabe muss an soziale Kriterien gebunden sein!

Diese Gemengelage zeigt, wie schmutzig es in der Gebäudereinigung zugeht. Die Beschäftigten verdienen mehr Anerkennung für ihre Leistung. Das beginnt bei den Arbeitgebern, die endlich ein tragfähiges Angebot für einen neuen Tarifvertrag vorlegen müssen. Aber auch alle Auftraggeber sollten besser hinsehen. Aufträge dürfen nicht an Firmen gehen, die Lohndrückerei betreiben und schlechte Arbeitsbedingungen verordnen. Das gilt besonders für den öffentlichen Bereich. Steuern und Gebühren müssen nach sozialen Kriterien eingesetzt werden. Denn Sauberkeit hat nun einmal ihren Preis!

Kontakt bei weitergehenden Fragen:

Kai Schwabe
Stellvertretender Regionalleiter Niedersachsen
Industriegewerkschaft Bauen - Agrar - Umwelt

mobil: 0172 2935556
Email: kai.schwabe(at)IGBAU.DE


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