Deutscher Gewerkschaftsbund

30.06.2022
#schlaglicht 24/2022

Gleichstellung ernst nehmen – Parität herstellen!

Mit der Gleichstellung ist es in den letzten Jahren vorangegangen. Und dennoch: Im Parlament und in Führungspositionen großer Unternehmen sind Frauen in Niedersachsen weiter eine Minderheit. Um sich auf den Weg zur Parität zu machen, braucht es verbindliche Zielgrößen und weniger Benachteiligung am Arbeitsmarkt, meint das #schlaglicht 24/2022.

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Handschlag zwischen Frau und Mann

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Frauen verschaffen sich immer selbstbewusster Gehör für ihre Anliegen – gut so. Gerade deshalb sind Fragen der Gleichberechtigung und Selbstbestimmung von der politischen Agenda nicht mehr wegzudenken. Es ist dem frauenpolitischen Engagement von Initiativen, Verbänden und Gewerkschaften zu verdanken, dass ganz aktuell der unsägliche Paragraf 219a gestrichen wurde. Druck ist allerdings auch notwendig. Denn obwohl der Gesetzgeber nach Artikel 3 des Grundgesetzes zur Gleichstellung der Geschlechter verpflichtet ist, lässt die Umsetzung auf vielen Feldern noch auf sich warten.

Gleichstellung hat noch viele Baustellen

Dies lässt sich nicht nur anhand der weiterhin großen Lücke bei der Bezahlung von Frauen und Männern (Gender Pay Gap) und der Ungleichverteilung von Haus- und Care-Arbeit ablesen. Trotz mancher Verbesserungen sind Frauen in Führung immer noch deutlich in der Minderheit. Die Bekleidung von hohen Positionen oder die Parität in Gremien und Ämtern sind oft nicht mehr als fromme Wünsche!

Parität in großen Unternehmen nicht vorhanden

Im Rahmen des in diesem Jahr erstmals in Niedersachsen erhobenen „Women-on-Board-Index“ wurden die Frauenanteile in Aufsichtsgremien und Top-Managementorganen der 103 größten öffentlichen und privatwirtschaftlichen Unternehmen ausgewertet. Die Ergebnisse sind ernüchternd: Weder beim Land noch bei den Kommunen oder der Privatwirtschaft wird die 30-Prozentmarke geknackt. Die Unterschiede zwischen öffentlichem Bereich und Privatwirtschaft fallen in Aufsichtsräten kaum ins Gewicht, während private Unternehmen im Managementsegment deutlich nach unten abfallen (siehe Grafik). Insgesamt existieren bis heute bei der überwiegenden Mehrheit keine formalen Zielgrößen oder verbindliche Quoten.

Grafik "Frauen in Führungspositionen in Niedersachsens größten Unternehmen"

DGB

Ein Blick auf den Niedersächsischen Landtag zeigt, dass es in der Politik nur wenig besser aussieht. Weniger als ein Drittel aller Abgeordneten sind aktuell Frauen. Immerhin: Im Vorfeld der in diesem Jahr stattfindenden Landtagswahl haben vier Parteien (CDU, SPD, Grüne und Linke) ihre Wahllisten weitestgehend paritätisch aufgestellt – ein wichtiger erster Schritt. Leider ist dies noch kein Garant dafür, dass die Kandidatinnen auch in gleicher Zahl in das Parlament einziehen.

Verbindliche Zielgrößen sicherstellen

Es zeigt sich: Die gläserne Decke ist für Frauen oft nur schwer zu überwinden. Wenn klare Vorgaben fehlen, fehlen häufig die Frauen. Im öffentlichen Dienst als Vorbild bedarf es einer auf Geschlechterparität zielenden Strategie der Besetzung von Führungspositionen. Für verbindliche Zielgrößen bei den Beteiligungen des Landes und der Kommunen ist es ebenso an der Zeit. Darüber hinaus ist es notwendig, dass mehr Unternehmen gesetzlich von einer Mindestbeteiligung im Vorstand und einer Geschlechterquote im Aufsichtsrat erfasst werden.

Benachteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt überwinden

Allerdings bilden Frauen an der Spitze nur einen kleinen Teil der Beschäftigten ab. Aber sie weisen auf das allgemeine Problem weiblicher Benachteiligung am Arbeitsmarkt hin. Es braucht daher verstärkt Instrumente wie Fort- und Weiterbildungsangebote, die Etablierung von Führungsmodellen in Teilzeit, flexible Arbeitszeitmodelle und die bessere Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf. Damit Frauen bekommen, was ihnen zusteht: Genau die Hälfte!


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