Deutscher Gewerkschaftsbund

20.05.2021
#schlaglicht 19/2021

Glasfasernetz: Ausbau in Slow Motion reicht nicht

Analog schlägt digital - und das im 21. Jahrhundert! Wenn Pferde schneller als digitale Datenpakete sind, sieht es traurig für die Digitalisierung aus. Schulen, Betriebe, Krankenhäuser - sie alle sind in Niedersachsen mit Glasfaseranschlüssen unterversorgt. Statt Kürzungen im Landeshaushalt braucht es jetzt mehr Mittel für die digitale Infrastruktur, fordert das #schlaglicht 19/2021.

Zu abonnieren ist das #schlaglicht unter https://niedersachsen.dgb.de/service/newsletter 

Schnecke auf Smartphone

crushpixel

Es gibt Dinge, die gibt’s gar nicht. Im November des letzten Jahres hat ein Fotograf im Sauerland ein kleines Experiment gewagt. Er schicke zwei Reiter mit einer DVD voller Fotos in die zehn Kilometer entfernte Druckerei. Parallel starte er den Datentransfer über das Internet. Natürlich kam es, wie es kommen musste: Mit mehreren Stunden Vorsprung brachten die Pferdchen das 4,5 Gigabyte große Datenpaket an seinen Bestimmungsort. Analog schlägt digital!

Pandemie legt Schwachstellen in der Digitalisierung offen

Natürlich lädt diese kleine Episode zum Schmunzeln ein. Mit Häme sollte man sich in Niedersachsen jedoch zurückhalten. Auch hier haben sich viele Menschen in über einem Jahr Pandemie ein recht genaues Bild vom Stand der Digitalisierung machen können. Ihre Bewertung dürfte trübe ausfallen: Zwar ist in den Ballungsgebieten für eine gute Breitbandabdeckung gesorgt. In ländlichen Räumen sieht es aber mitunter anders aus. Dort sind Arbeit im Homeoffice und Unterricht im Homeschooling alles andere als vergnügungssteuerpflichtig. Angesichts lahmer Leitungen ist viel Geduld gefragt.

Digitalisierung in Niedersachsen im Schneckentempo

Gegen diese Misere hätte längst ein fortschrittliches Glasfasernetz installiert werden müssen. Aber stattdessen wurde viel zu lange auf veraltete Technologien und den freien Markt gesetzt. Seit einigen Jahren soll neben dem laufenden Bundesprogramm vor allem Niedersachsens Masterplan von Digitalisierungsminister Althusmann die Wende bringen. Aber von den selbstgesteckten Zielen ist das Land kabelmeilenweit entfernt. Trotz großer Ankündigungen kommt der Ausbau nur in Slow Motion voran.

Grafik "Entwicklung der Glasfaserverfügbarkeit in Niedersachsen nach Sektoren"

DGB

Bis Mitte 2020 verfügten nur 8 Prozent der niedersächsischen Schulen über einen Glasfaseranschluss. Alle Achtung! Der Zuwachs in den letzten eineinhalb Jahren fiel ausgesprochen bescheiden aus. Bei diesem Tempo wird es noch Ewigkeiten dauern, bis alle Schulen abgedeckt sind. Dürftig sieht es auch bei den Krankhäusern aus. Nur eines von zwanzig hat eine schnelle Internetanbindung zu bieten. Bei den Haushalten lässt sich die Ausbaugeschwindigkeit ebenfalls nur als mangelhaft bezeichnen. Selbst bei den Gewerbegebieten sind über vier Fünftel nicht versorgt (siehe Grafik). Durch diese bisherigen Resultate ist weder die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse noch die Infrastruktur für einen modernen Industrie- und Dienstleitungsstandort gesichert.

Mehr Investitionen für Netzausbau erforderlich

Wenn Niedersachsen den Sprung ins digitale Zeitalter schaffen will, muss das Land endlich einen Gang hochschalten. Nur die Glasfasertechnologie ist zukunftsfest. Und Corona hat die Schwachstellen endgültig offengelegt. Deshalb muss Minister Althusmann seinen Worten jetzt Taten folgen lassen. Bloße Fortschrittsrhetorik ist zu wenig. Statt die angekündigten Haushaltskürzungen von Finanzminister Hilbers hinzunehmen, muss er sich für mehr staatliche Investitionen in den Netzausbau einsetzen. Nur ausreichende Mittel bereiten den Bummeleien ein Ende.

 Jetzt digital durchstarten

Denn schließlich werden die meisten Menschen wohl kaum die Lust verspüren, sich bei jeder simplen Datenübertragung gleich um Ross und Reiter bemühen zu müssen. Also hopp, hopp, hopp, Niedersachsen setzt an zum Digitalgalopp!

DOWNLOAD


Nach oben

DIREKT ZU IHRER GEWERKSCHAFT

social media