Deutscher Gewerkschaftsbund

19.03.2020
#schlaglicht 11/2020

Corona-Pandemie: Soziale Schieflagen verhindern!

Die Folgen des Corona-Virus sind allgegenwärtig. Auch wirtschaftliche Effekte bleiben nicht aus. Eltern, die ihre Kinder zuhause betreuen müssen, stehen vor großen Problemen. Aber auch für Geringverdienende, Soloselbstständige, FreiberuflerInnen sowie kleine und mittlere Unternehmen geht es um die Existenz. Das #schlaglicht 11/2020 erklärt, was jetzt zu tun ist.

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Frau mit Mundschutz im Krankenhaus hält Medizin in der Hand

DGB/Simone M. Neumann

Deutliche Einschränkungen beim Reiseverkehr, größere Versammlungen auf unbestimmte Zeit verschoben und eine weitgehende Stilllegung des öffentlichen Lebens: Die Folgen des Coronavirus sind mittlerweile im Alltag der Menschen allgegenwärtig. Doch die getroffenen Maßnahmen sind wichtig, um den Verlauf der Pandemie einzudämmen. Dabei können alle mithelfen, indem sie ihre sozialen Kontakte auf ein Minimum begrenzen. Ein Grund zur Panik besteht aber nicht. Die Versorgung mit allen notwendigen Gütern und Dienstleistungen ist sichergestellt. Hamstern ist also überflüssig!

Corona-Krise wird wirtschaftliche Folgen haben
Aber klar ist: Selbst wenn die Ausbreitung des Virus begrenzt werden kann, bleiben ökonomische Effekte nicht aus. Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) prognostiziert für das laufende Jahr in Deutschland einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 2,5 Prozent. Besonders der Exportsektor wird betroffen sein (siehe Grafik). Wegen unterbrochener Wertschöpfungsketten, Produktionseinstellungen bei Großbetrieben und Schließungen von Geschäften kommt es – zumindest temporär – zu einer Rezession.

Grafik "Prognose für das Bruttoinlandsprodukt 2020 nach ausgewählten Sektoren"

DGB

Geringverdiendende brauchen aufgestocktes Kurzarbeitergeld
Umso wichtiger ist schnelles Gegensteuern, damit Arbeitsplätze erhalten und Einkommen gesichert werden. Der erleichterte Zugang zum Kurzarbeitergeld ist ein wichtiger Schritt. Beschäftigte erhalten damit bis zu zwei Drittel ihres Lohnausfalls. Aber es gibt Nachbesserungsbedarf: Geringverdienende können die entstandene Lücke kaum kompensieren. Die Unternehmen erhalten aber 100 Prozent der Sozialabgaben bei Kurzarbeit erlassen. Mit einem Teil davon sollte das Kurzarbeitergeld auf 80 bis 90 Prozent aufstockt werden. Hierfür sind tarifvertragliche Lösungen das Mittel der Wahl. Die Systemgastronomie hat es bereits vorgemacht. Denn soziale Schieflagen darf es im Zuge der Krise nicht geben!

Eltern hilft ein steuerfinanziertes Krisen-Elterngeld
Auch die Frage von Home Office ist brandaktuell. Jetzt sind pragmatische Regelungen in den Betrieben gefragt. Dort, wo das nicht geht - etwa in der Produktion, sollten die Firmen für Eltern unbürokratische Möglichkeiten schaffen, damit diese ohne Einkommensverluste ihre Kinder betreuen können. In Bereichen, wo dies nicht direkt umsetzbar ist, sollte der Bund mit Steuermitteln ein Krisen-Elterngeld finanzieren.

Maßnahmenpaket der Landesregierung absolut richtig
Aber selbstverständlich brauchen auch die Unternehmen massive Unterstützung. Gerade für Soloselbstständige, FreiberuflerInnen sowie kleine und mittlere Unternehmen geht es um die Existenz. Deshalb hat die Landesregierung analog zur Bundesregierung ein 4,4 Mrd. Euro schweres Maßnahmenpaket geschnürt. Dieses soll erstens die medizinische Versorgung sichern und zweitens den Betrieben mit Bürgschaften, Liquiditätshilfen und Förderprogrammen finanziell unter die Arme greifen. Das ist absolut richtig.

Danke an alle, die unentwegt im Einsatz sind!
Vorerst gilt: Die Gesundheit steht an erster Stelle. Indem alle Menschen möglichst die Öffentlichkeit meiden, können sie ihren Beitrag leisten, die Infektionsketten zu unterbrechen. Und diejenigen, die jetzt unentwegt im Einsatz sind – ÄrztInnen, Pflegepersonal, Feuerwehrleute, Polizeikräfte, Angestellte im Einzelhandel und anderen Gewerben – verdienen den allerhöchsten Respekt. Danke, dass ihr für uns da seid!

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