Deutscher Gewerkschaftsbund

25.06.2020
#schlaglicht 25/2020

Glasfaserausbau: Kein Anschluss in diesem Haushalt

Corona zeigt die Schwachstellen auf: Nicht überall in Niedersachsen ist Home Office, digitales Lernen oder Internet-Streamen problemlos möglich. Gerade in Krankenhäusern, Schulen und privaten Haushalten hakt es oft. Schuld ist der lückenhafte Glasfaserausbau. Was die Landesregierung dagegen tun kann, ist im schlaglicht 25/2020 zu lesen.

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Netflix, Amazon Prime, Disney Plus – immer mehr Streaming-Dienste buhlen um die Gunst der Kundschaft. Über mangelnde Auswahlmöglichkeiten beim abendlichen Programm kann sich das Publikum also nicht beschweren. Das große inhaltliche Angebot an Serien und Filmen kann allerdings Fluch und Segen zugleich sein: Zwar ist für jeden Geschmack etwas dabei, aber angesichts der schieren Menge kann man schon mal den Überblick verlieren. Doch manchmal nimmt einem auch die Technik die Entscheidung ab. Nämlich dann, wenn wegen fehlender Bandbreite statt einem flüssigen Bild nur das große Ruckeln läuft.

Internet in Niedersachsen: Schneckentempo statt Lichtgeschwindgkeit!
Fakt ist: Bei der Breitbandabdeckung weist Niedersachsen immer noch Lücken auf. Zwar sind die größeren Städte gut versorgt, aber in ländlichen Regionen gibt es immer noch Haushalte ohne Anbindung an schnelle Internetverbindungen. Für die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse und die Attraktivität des Wohnortes ist das kein Aushängeschild. Zusätzlich erhalten viele Menschen überhaupt nicht die von den Anbietern versprochene Leistung. Je weiter ein Haushalt vom Schaltschrank entfernt liegt, desto weniger Bandbreite kommt über die Kupferkabel vor Ort an. Statt Lichtgeschwindigkeit gibt es eher Schneckentempo!

Ausbau kommt nur schleppend voran
Umso wichtiger ist der flächendeckende Ausbau eines fortschrittlichen Glasfasernetzes. Aber die Frischzellenkur für die digitale Infrastruktur kommt trotz aller Fortschrittsrhetorik nur schleppend voran. Gerade einmal 11 Prozent aller niedersächsischen Haushalte verfügen gegenwärtig über einen Glasfaseranschluss. Der Rest muss weiter auf die neueste Netztechnologie warten. Zur Erinnerung: Bis 2025 sollen laut dem Wirtschaftsministerium alle Menschen in Niedersachsen mit gigabitfähigen Glasfaseranschlüssen versorgt sein. Doch angesichts der bisher erzielten Ergebnisse braucht es nicht viel Fantasie, um die angekündigte Zeitachse zumindest für ein ausgesprochen ambitioniertes Vorhaben zu halten.

Grafik "Glasfaserverfügbarkeit von ausgewählten Sektoren in Niedersachsen"

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Zumal die Probleme nicht nur den privaten Bereich betreffen. Für einen modernen Industrie- und Dienstleitungsstandort ist ein digitales Netz auf dem höchsten Stand absolute Voraussetzung. Doch das Land hinkt seinen Plänen weit hinterher und Corona hat die bestehenden Schwachstellen aufgezeigt. Nur jedes sechste niedersächsische Gewerbegebiet verfügt über eine Glasfaseranbindung. Mit 206 von 3.095 Schulen sind weniger als 7 Prozent abgedeckt. Noch dürftiger sieht es bei den Krankenhäusern aus (siehe Grafik). Diese Zahlen lassen Niedersachsen wie ein digitales Entwicklungsland aussehen. Es gibt riesigen Nachholbedarf!

Aufbruch ins digitale Zeitalter klappt nur mit mehr Geld
Abhilfe soll das von der Landesregierung aufgelegte und mit einer Milliarde Euro dotierte Sondervermögen Digitalisierung schaffen. Durch den Nachtragshaushalt kommen nochmal 150 Mio. Euro dazu. Schöne Summen, aber der flächendeckende Glasfaserausbau wird deutlich mehr kosten. Es braucht daher jetzt ein starkes Signal für mehr Investitionen. Das Land muss mit der Gründung eines Niedersachsenfonds die Grundlage für Zukunftsinvestitionen legen. Sonst wird es nichts mit dem Aufbruch ins digitale Zeitalter. Aber wer hat schon Lust auf Star Wars im Pixelmodus?

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