Deutscher Gewerkschaftsbund

22.10.2020
#schlaglicht 38/2020

Gilde Brauerei: Job-Kahlschlag ohne jeden Anstand!

Dank der Beschäftigten ist das Bier der Gilde Brauerei normalerweise ein Qualitätsprodukt. Doch nun hat es einen bitteren Beigeschmack. Denn die Geschäftsleitung hat ein übles Gebräu gemischt: Betriebsratsarbeit wird verhindert, Tarifverträge verweigert und nach der Aufspaltung zwei Betriebe in die Insolvenz geschickt. Das #schlaglicht 38/2020 aus Niedersachsen fordert die Geschäftsführung zu mehr Anstand und Dialogbereitschaft auf.

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Uns schmeckt Gilde grad nicht

NGG

In den zurückliegenden Monaten war es still um die Gilde Brauerei geworden. In Hannovers ältestem Betrieb schien für die Beschäftigten zumindest wieder etwas Ruhe eingekehrt zu sein. Doch dem hat die Geschäftsführung nun ein rüdes Ende bereitet. Durch ihre jüngste Entscheidung bewirbt sie sich für den diesjährigen Award unternehmerischer Verantwortungslosigkeit. Ungefähr die Hälfte der Belegschaft muss urplötzlich um ihre Arbeitsplätze fürchten. Es scheint nur die Devise zu herrschen: Es geht immer noch schlimmer!

50 Prozent der Beschäftigten bei Gilde sind ohne Tarifvertrag

Aber der Reihe nach: Im Jahr 2016 wurde Gilde von der TCB Beteiligungsgesellschaft mbH aufgekauft. Seitdem befindet sich die Brauerei in einem tariflosen Zustand. Alle Neueingestellten – rund 50 Prozent der Beschäftigten – werden nicht nach einem Tarifvertrag, sondern nach dem Nasenfaktor vergütet. Im Schnitt stehen für die Beschäftigten bei gleicher Arbeit jährlich 15.000 Euro weniger auf der Habenseite.

Erst Zerschlagung - nun Insolvenz

Im letzten November erfolgte dann der erste große Paukenschlag. Unter dem Deckmantel von behaupteten Produktivitäts- und Effizienzsteigerungen wurde die Gilde Brauerei in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in vier Teile zerschlagen. Mit dem Fingerspitzengefühl einer Dampfwalze zog die Geschäftsführung quer durch den Betrieb Trennwände ein. Dem Betriebsrat wurde die weitere Tätigkeit untersagt. Die Brauer sollten sichtbar gespalten und ihr Arbeitskampf für einen Tarifvertrag ausgebremst werden. Und nun hat die Geschäftsleitung nachgelegt und inmitten der Pandemie endgültig die Maske fallen lassen. Zwei der drei neuen Betriebe haben Insolvenz beantragt. Knapp sechzig Beschäftigte wurden von der Arbeit freigestellt. Sie und ihre Familien stehen vor einer ungewissen Zukunft!

Grafik "Entwicklung der Gewinne bei der TCB Beteiligungsgesellschaft mbH"

DGB

Die arbeitgeberseitige Begründung lautet: Die Corona-Krise hätte zu hohen Verlusten geführt. Aber an dieser Version sind Zweifel angebracht. Zwar mag die derzeitige Lage schwierig sein. Aber der TCB-Mutterkonzern hat zuvor jahrelang in einem umkämpften Marktfeld schwarze Zahlen im zweistelligen Millionenbereich geschrieben (siehe Grafik). Das ist genug Spielraum, um in diesen Zeiten Arbeitsplätze zu sichern. Zumal sich die angekündigten Effizienzgewinne in so kurzer Zeit noch überhaupt nicht zeigen konnten.

Wurden die Insolvenzen absichtlich herbeigeführt?

Tatsächlich drängt sich viel mehr der Verdacht auf, dass die Insolvenzen wissentlich verursacht wurden. Immerhin wurde bei einem der betroffenen Betriebe überhaupt keine und beim anderen nur in geringem Maße Kurzarbeit angemeldet. Damit verfestigt sich der Eindruck, dass sich die Geschäftsführung vor allem der alteingesessenen Beschäftigten mit Tarifvertrag bzw. mit Anspruch auf einen Sonderkündigungsschutz billig entledigen will. Im Rahmen eines regulären Personalabbaus wäre das schlicht nicht möglich.

Mehr Anstand bitte, liebe Unternehmensleitung!

Deshalb ist klar: Die Unternehmensleitung muss endlich sozialen Anstand zeigen und echte Zukunftsperspektiven für den Standort entwickeln. Statt Job-Kahlschlag ist es höchste Zeit, den Gesprächsfaden aufzunehmen und nach sozialpartnerschaftlichen Lösungen zu suchen. Schließlich gibt es auch ein Reinheitsgebot für den Umgang mit den Beschäftigten!


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