Deutscher Gewerkschaftsbund

08.08.2019
#schlaglicht 27/2019

Mietpreisexplosion trifft ältere Generation besonders hart!

Die Altersarmut liegt in Niedersachsen bei 21 Prozent. Immer mehr Rentnerinnen und Rentner können sich die überhöhten Mieten kaum noch leisten. Welche Hausaufgaben nun die Politik machen muss, erklärt das #schlaglicht Nummer 27/2019.

traurige Oma

DGB/DmitryBerkut/123RF.com

Wohl alle Menschen träumen von einem finanziell sorgenfreien Leben im Alter. Schließlich will auch nach dem Berufsleben die Wohnungsmiete beglichen, die allgemeinen Bedarfe gedeckt oder die Erfüllung eines langgehegten Reisewunsches bezahlt sein. Und die Enkel dürfen ohnehin nicht zu kurz kommen. Doch davon kann oft keine Rede sein: In Niedersachsen liegt die Armutsquote der ab 65-Jährigen, die eine Versichertenrente – ohne Pensionen – erhalten, bei fast 21 Prozent. Ein Anstieg von mehr als einem Drittel in den letzten zehn Jahren. Mit dem beruflichen Ruhestand drohen vielen Beschäftigten erhebliche Einschränkungen!

Künftiges Rentenniveau verschärft Altersarmut

Es beginnt sich nun zu rächen, dass zur Jahrtausendwende niedrige Beiträge wichtiger waren als eine verlässliche Alterssicherung. Mit der Abgabensenkung trat die gesetzliche Rente den Sinkflug an. Beim jetzigen Rentenniveau von 48 Prozent erhalten Männer in Niedersachsen durchschnittlich 1.198 Euro und Frauen gerade einmal 646 Euro Rente im Monat. Sollte das Rentenniveau bis 2045 wie geplant auf 43 Prozent sinken, dürfte Altersarmut noch stärker zum Problem werden. Zumal sich die zum Ausgleich angepriesene private Altersversorge als Luftnummer erwiesen hat.

Wohnungsnot trifft RentnerInnen besonders hart

In dieser Gemengelage schlägt nun noch die bundesweite Wohnungskrise mit voller Wucht zu. In den Ballungszentren gibt es immer weniger bezahlbaren Wohnraum. Darunter leiden besonders diejenigen, die im Alter deutliche Abstriche beim Einkommen hinnehmen müssen. Weil die Rentenbeträge die Mietpreisexplosion nicht kompensieren können, müssen mittlerweile fast zwei Drittel der Miethaushalte ab 65 Jahren mindestens 30 Prozent des Haushaltseinkommens für das Wohnen ausgeben. Für weit über ein Drittel sind es sogar 40 Prozent und mehr (siehe Grafik). Durch diese exorbitanten Wohnkosten ist gesellschaftliche Teilhabe kaum noch möglich. Die Kombination aus steigenden Mieten und geringen Renten ist nichts weniger als ein sozialer Giftcocktail!

Wohnkostenbelastung von Miethaushalten mit älteren Personen

DGB

Den Betroffenen bleiben nur geringe Spielräume: Entweder sie akzeptieren die hohen Mietausgaben oder sie müssen aus ihren vertrauten vier Wänden ausziehen. Aber gerade ältere Menschen brauchen ihr gewohntes Umfeld. Dort haben sie ihre nachbarschaftlichen Kontakte und erhalten ausreichend Unterstützung. Ein Wohnungswechsel hat für Ältere deshalb besonders negative Folgen. Viele schrecken vor diesem Schritt zurück und nehmen lieber die damit einhergehenden finanziellen Belastungen in Kauf. Aber ob nun Bleiben oder Ausziehen – beide Varianten sind inakzeptabel.

Eine bessere Wohnungs- und Rentenpolitik ist gefragt

Um die Lage zu meistern, gibt es sowohl auf Bundes- wie auch auf Landesebene viel zu tun. Ohne eine bessere Alterssicherung geht es definitiv nicht. Dafür muss die Koalition in Berlin die Grundrente ohne Bedürftigkeitsprüfung einführen und das Rentenniveau dauerhaft anheben. Auch eine dynamische Anpassung des Wohngeldes an die Mietsteigerungen ist überfällig. Parallel muss die Landesregierung in der Wohnungspolitik deutlich aktiver werden. Neue Förderrichtlinien und sonstige Anreize reichen nicht. Über eine Landeswohnbaugesellschaft muss der Staat selbst mehr bezahlbare Wohnungen schaffen. So geht gutes Leben und Wohnen im Alter!

 

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