Deutscher Gewerkschaftsbund

14.11.2019
#schlaglicht 41/2019

Grundrente sichert Würde im Alter!

Die Grundrente ist da. Das ist gut, reicht aber nicht. Vor allem Frauen sind von niedrigen Löhnen und damit von Altersarmut betroffen. Um eine armutsfeste Rente zu sichern, müssen Arbeitgeber und Staat noch einige Hausaufgaben erledigen, findet das #schlaglicht Nummer 41/2019.

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schützende Hände um Rentnerpaar

DGB/Jakub Jirsak/123RF.com

Die unendliche Geschichte ist jetzt doch zu einem Abschluss gekommen. Trotz einiger Makel und zähem Geschacher hat sich die Berliner Koalition auf die Einführung der Grundrente verständigt. Ab 2021 erhalten nahezu 1,5 Mio. Menschen – überwiegend Frauen – eine Anerkennung für ihre Lebensleistung. Wer jahrzehntelang aus niedrigem Einkommen Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat, erhält in Zukunft eine Altersrente, die über der Grundsicherung liegt. Der Gang zum Sozialamt wird vielen damit erspart. Eine bedeutende Zwischenetappe und ein unverzichtbares Signal für den gesellschaftlichen Zusammenhalt!

Niedriger Lohn, niedrige Rente - die Fehler der Vergangenheit

Gleichwohl gilt: Der erzielte Kompromiss bei der Grundrente ist zwar begrüßenswert, darf aber nur der Anfang sein. Die Notwendigkeit der Grundrente ist überhaupt erst entstanden, weil die Weichen in der Vergangenheit falsch gestellt wurden. Zur Jahrtausendwende waren niedrige Beiträge wichtiger als eine verlässliche Rente. Mit dem Rentenniveau ging es anschließend abwärts. Parallel begingen viele Arbeitgeber Tarifflucht und der Niedriglohnsektor wurde samt prekärer Jobs ausgebaut. Gerade das ist extrem schädlich für die Alterssicherung, denn so können die Beschäftigten nicht genügend Anwartschaften für ihre Rente sammeln.

Niedriglohn trifft vor allem Frauen

Allein bei den sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten arbeiten bundesweit fast 20 Prozent für einen Niedriglohn. Noch einmal deutlich höher ist der Anteil unter den Frauen. Mehr als jede vierte Vollzeitbeschäftigte ist davon betroffen (siehe Grafik). Für Teilzeitkräfte sieht es noch düsterer aus. Seit Jahren wollen sich der Gender Pay Gap und Part-Time Wage Gap nicht schließen. Die ‚typischen Frauenberufe‘ werden weiterhin schlechter bezahlt als männlich geprägte Branchen. Das gilt unter anderem für die sozialen Berufe und den Einzelhandel. Ausgerechnet dort haben viele Arbeitgeber mit Tarifbindung nichts am Hut. Das bekommen die weiblichen Beschäftigten jetzt und im Alter zu spüren!

Sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte im Niedriglohn

DGB

Der Staat bügelt mit Grundrente Lohndumping aus

Altersarmut ist die direkte Folge von Lohnarmut. In dieser Situation wird die Grundrente dringend gebraucht. Punkt! Denn alle sollen in Würde altern können. Dennoch ist sie eine Reparaturmaßnahme. Viel zu oft muss der Staat aufgrund von Lohndumping mit Transferleistungen einspringen. Wenn sich Arbeitgeber vor guter Bezahlung drücken, muss die öffentliche Hand Löhne aufstocken. Wenn das Einkommen zu gering ist und die Mieten durch die Decke schießen, muss die Allgemeinheit Wohngeld zuschießen. Die Grundrente korrigiert die soziale Schieflage im Alter, wenn lange Jahre härtester Arbeit wegen Niedriglöhnen nicht reichen.

Das allgemeine Rentenniveau muss wieder steigen

Die Einigung zur Grundrente ist ein wichtiger erster Schritt, weitere müssen folgen. Neben einem armutsfesten Mindestlohn gehören Maßnahmen zur Stärkung der Tarifbindung und die Aufwertung sozialer Berufe ganz oben auf die politische Agenda. Aber: Es muss auch an die Beschäftigten gedacht werden, die zwar gut verdienen und ordentlich in die Rentenkasse einzahlen, aber trotzdem zu wenig herausbekommen. Besonders für sie ist das Rentenniveau spürbar wieder anzuheben. Davon würden alle Beschäftigten profitieren. Denn in einem reichen Land darf im Alter niemand arm sein!


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