Deutscher Gewerkschaftsbund

25.03.2021
#schlaglicht 11/2021

Tarifverträge bringen Beschäftigten mehr Geld und Zeit

Tarifflucht ist kein Kavaliersdelikt. Durch sie gefährden viele Arbeitgeber den sozialen Zusammenhalt. Denn mit Tarifverträgen sind die Beschäftigten besser dran. Mehr Geld, weniger Arbeit - so die Bilanz. Deshalb muss die Tarifbindung wieder steigen. Die Landesregierung kann ihren Beitrag leisten, indem sie Tariftreue zur Pflicht für Vergabe und Förderung macht, fordert das #schlaglicht 11/2021.

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Teaser Calling for Tarifvertrag

DGB/Meise

Hoffnungsvoll waren die Beschäftigten in der Altenpflege. Endlich sollte es für sie einen flächendeckenden Tarifvertrag geben. Darauf hatten sich die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und der Bundesverband Arbeitgeber in der Pflegebranche (BVAP) verständigt. Nicht nur wegen des Einsatzes im Zuge der Pandemie hätte das Personal diese Aufwertung verdient. Aber dann kam die Caritas. Aus Angst um eigene Sonderrechte hat sich die Arbeitgeberseite des katholischen Wohlfahrtsverbandes gegen den Branchentarifvertrag ausgesprochen und das Projekt vorerst gestoppt. Sowas schimpft sich eiskalte Scheinheiligkeit!

Tarifflucht sorgt für soziale Spaltung

Obwohl die Caritas nur allzu gerne mit ihrer sozialen Ader hausieren geht, hat sie mit ihrem Veto nun aktiv höhere Löhne für unzählige Beschäftigte verhindert. Ein Einzelfall ist dies indes nicht: Wenn es um bessere Arbeits- und Entgeltbedingungen geht, werden viele Arbeitgeber äußerst bewegungsfreudig und begehen Tarifflucht. In Niedersachsen sind derzeit nur noch 56 Prozent der Beschäftigten durch ein tarifliches Arbeitsverhältnis geschützt. Um die Jahrtausendwende ist das noch bei drei Vierteln der Fall gewesen. Damit wird der gesellschaftlichen Spaltung Vorschub geleistet.

Mit Tarifvertrag haben Beschäftigte mehr Freizeit

Denn Tarifverträge sind der Dreh- und Angelpunkt für gute Arbeit. Mit ihnen fallen die Konditionen für die Beschäftigten durchgehend besser aus. Beispiel Arbeitszeit: In tarifgebundenen Betrieben müssen niedersächsische Vollzeitbeschäftigte pro Woche fünfzig Minuten weniger arbeiten. Bis zum Monatsende stehen ihnen dadurch über drei Stunden mehr Frei- und Familienzeit zur Verfügung.

Grafik "Durchschnittlicher Lohnvorsprung von Vollzeitbeschäftigten mit Tarifvertrag"

DGB

Neben den kürzeren Arbeitszeiten gibt es auch eine höhere Bezahlung. Unter der Berücksichtigung von strukturellen Effekten beträgt der durchschnittliche Lohnvorsprung von Beschäftigten mit Tarifvertrag in Niedersachsen fast 9 Prozent. Im Vergleich der westdeutschen Bundesländer ist das ein Platz im Mittelfeld (siehe Grafik). Auf Basis des mittleren Bruttoentgelts von 3.880 Euro landen bei den Beschäftigten über 330 Euro mehr auf dem monatlichen Gehaltszettel. Mit Tarif lebt und arbeitet es sich einfach besser!

Tarifbindung ist auch für Betriebe von Vorteil

Aber auch die Arbeitgeber profitieren von tariflichen Lösungen. Sie verhindern Schmutzkonkurrenz, indem sie allen Betrieben einer Branche die gleichen Bedingungen verschaffen. Statt über Lohndumping wird der Wettbewerb über Innovation und Qualität ausgetragen. Zugleich sind tarifgebundene Betriebe für Fachkräfte attraktiver, da sie ein besseres Arbeitsumfeld anzubieten haben.

Öffentliche Aufträge müssen an Tariftreue gekoppelt sein

Kurzum: Die Tarifbindung muss gestärkt werden. Das wäre sozial und ökonomisch nachhaltig. Tarifflüchtige Arbeitgeber müssen endlich ihrer Verantwortung nachkommen. Ebenso kann die Politik unterstützen. Allgemeinverbindliche Tarifverträge sind deutlich zu erleichtern. In Niedersachsen sollte die Landesregierung im neuen Pflegegesetz Tariflöhne zur Voraussetzung der Investitionskostenförderung machen. Generell muss die Vergabe öffentlicher Aufträge an die Tariftreue gekoppelt werden. In Thüringen und Berlin ist das schon der Fall. Was dort geht, sollte auch hier möglich sein, oder?

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