Deutscher Gewerkschaftsbund

14.03.2019
#schlaglicht 10/2019

Equal Pay: Von Lohngleichheit keine Spur!

Kommenden Montag ist Equal Pay Day. Bis dahin haben Frauen quasi umsonst gearbeitet. Denn sie verdienen im Schnitt immer noch weniger als Männer. Mitten in Deutschland, mitten im 21. Jahrhundert! Warum das so ist und wie sich Abhilfe schaffen lässt, erklärt das #schlaglicht Nummer 10/2019.

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Die Frage der Gleichberechtigung ist brandaktuell. Und das ist gut so. Dass sich Frauen mehr Gehör für ihre Anliegen verschaffen, ist nicht nur berechtigt. Es ist auch zwingend notwendig. Denn es gibt immer noch viel zu tun. Der Staat ist nach Artikel 3 des Grundgesetzes zur Gleichstellung der Geschlechter verpflichtet. Aber auf vielen gesellschaftlichen Feldern lässt die Umsetzung mehr als zu wünschen übrig. Das gilt besonders beim Thema Lohn. Zwar sind mehr Frauen als jemals zuvor berufstätig. Aber wenn am kommenden Montag wieder Equal Pay Day ist, werden sie bis zu diesem Tag des Jahres symbolisch umsonst gearbeitet haben. Das ist nicht weniger als ein soziales Armutszeugnis!

Frauen verdienen in Niedersachsen im Schnitt ein Fünftel weniger als Männer
Fakt ist: In punkto gleicher Bezahlung von Frauen und Männern kommt die Bundesrepublik quasi nicht von der Stelle. Schneckentempo wäre schon zu viel gesagt. Noch immer beträgt der bundesweite Lohnunterschied erschreckende 21 Prozent. Damit landet Deutschland in der Europäischen Union auf dem drittschlechtesten Platz. Mit ihrem hehren Missionsziel, diesen Gender Pay Gap bis zum Jahr 2020 auf 10 Prozent zu drücken, ist die Bundesregierung schon jetzt krachend gescheitert. Und Niedersachsen steht kaum besser da. Hier beträgt die Lohndifferenz insgesamt ein Fünftel.

Seit Jahren ändert sich nichts an der Lohnlücke zwischen den Geschlechtern
Frauen arbeiten öfter in Minijobs, Teilzeit und im Niedriglohnsektor. Ihre Erwerbsbiographien weisen häufiger Brüche durch Eltern- und Pflegezeiten auf. Ganz allgemein werden ‚Frauenberufe‘ schlechter bezahlt. Besonders benachteiligt sind Frauen mit Migrationshintergrund. Durchschnittlich erhalten Frauen in Niedersachsen 16,19 Euro pro Stunde, während Männer über 4 Euro mehr verdienen. Ein Blick auf die letzten Jahre lässt keinen Fortschritt erkennen (siehe Grafik). Selbst wenn Effekte wie Beruf, Branche oder Arbeitsumfang berücksichtigt werden, bleibt immer noch ein großer Unterschied. Dieser ist nur auf das Geschlecht zurückzuführen. Mitten in Deutschland, mitten im 21. Jahrhundert!

Durchschnittliche Stundenverdienst nach Geschlecht in Niedersachsen

DGB

Was ist also das Gegenmittel? Einen zentralen Faktor werden die Arbeitgeber nicht gerne hören. Für viele von ihnen ist es nämlich eine Watsche. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung stellt nüchtern fest, dass „Tarifverträge ein sinnvolles Mittel [sind], um Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen zu verringern.“ Wenn Gewerkschaften die Löhne tariflich aushandeln, werden alle Beschäftigten unabhängig vom Geschlecht gleich bezahlt. Doch davor drücken sich immer mehr Arbeitgeber. Zweidrittel aller Betriebe in Niedersachsen sind nicht tarifgebunden. Sie zementieren damit die Ungleichheit zwischen Frauen und Männern.

Gute Tarifverträge und ein echtes Lohngerechtigkeitsgesetz helfen!
Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen zu schließen, ist eine zentrale Frage der Gerechtigkeit. Die Stärkung der Tarifbindung ist dafür ein wichtiger Hebel. Handeln die Arbeitgeber nicht von sich aus, ist der Gesetzgeber gefragt. Öffentliche Aufträge dürfen nur an Betriebe gehen, die sich an Tarifverträge halten. Allgemeinverbindliche Tarifverträge für ganze Branchen sind zu erleichtern. Parallel ist das Entgelttransparenzgesetz zu einem echten Lohngerechtigkeitsgesetz samt Sanktionsmöglichkeiten weiterzuentwickeln. Denn Frauen verdienen für ihre Arbeit mehr Anerkennung. Und die muss sich in gleicher Bezahlung niederschlagen!

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