Deutscher Gewerkschaftsbund

18.06.2020
#schlaglicht 24/2020

Rückkehr zum Schulbetrieb – System wacklig wie ein Kartenhaus

Der durch Corona bedingte monatelange Ausnahmezustand bringt Eltern und Lehrkräfte an die Grenzen ihrer Belastungen. Gut, dass die Schulen nun wieder öffnen. Aber der Schutz der Gesundheit aller muss weiter im Vordergrund stehen. Warum mehr Investitionen und ausreichend Personal nötig sind, damit der Betrieb gut laufen kann, erläutert das schlaglicht 24/2020.

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Kinder mit Mund-Nasenschutz in der Schule mit Lehrerin

DGB/Oksana Kuzmina/123rfc.com

Viele Eltern in Niedersachsen werden in der letzten Woche durchgeatmet haben: Auch wenn von einem Normalbetrieb keine Rede sein kann, dürfen nun Kinder aller Jahrgänge wieder zur Schule gehen. Für die Familien ist das fraglos eine Erleichterung. Denn mit dem Schul-Shutdown wurde ihr Leben quasi über Nacht auf den Kopf gestellt. Plötzlich mussten Beruf, Kinderbetreuung, Schulaufgaben und Haushalt parallel gemeistert werden. Die elterlichen Belastungen wurden noch einmal nach oben geschraubt.

Arbeitsstress für Lehrkräfte durch Corona-Ausnahmesituation gestiegen
Die gleichen Erfahrungen teilen auch viele Lehrkräfte. Bereits vor der Corona-Krise waren viele von ihnen wegen akuten Personalmangels und eines hohen Arbeitspensums stark gefordert. Durch die Pandemie hat sich die Situation weiter zugespitzt. Die momentane Mischung von parallel stattfindendem Präsenzunterricht mit geteilten Klassen und Home-Schooling ist eine erhebliche Doppelbelastung. Über die Hälfte aller niedersächsischen Lehrkräfte sieht darin eine Zunahme des ohnehin schon hohen Arbeitsstresses.

Rückkehr zum Schulbetrieb pädagogisch und gesellschaftlich sinnvoll
Allein schon aus diesen Gründen ist allen Beteiligten an einer Rückkehr zum Schulbetrieb gelegen – wenn auch unter besonderen Vorzeichen. Darüber hinaus ist die schrittweise Öffnung sowohl ein pädagogisches als auch gesellschaftliches Anliegen. Gerade sozial benachteiligte Kinder brauchen eine umfängliche Unterstützung. Das geht nur mit sozialem Kontakt und gemeinsamem Lernen.

Grafik "Bewertung von Lehrkärften zur Einhaltung von Abstandsregeln an Schulen"

DGB

Aber klar ist: Der Arbeits- und Gesundheitsschutz muss weiterhin Priorität haben! Nur mit beherrschbaren Infektionsketten wird die Wiederaufnahme des Schulbetriebs zum Erfolg. Ansonsten droht im Herbst der Bumerang in Form eines zweiten Lockdowns. Damit wäre niemanden geholfen. Und die Mängel sind nicht kleinzureden: Über 40 Prozent der niedersächsischen Lehrkräfte geben in einer aktuellen Umfrage an, dass die zurzeit geltenden Abstandsregeln im Unterricht nicht eingehalten werden können. Die beengten Räumlichkeiten geben es oft nicht her. Noch schwieriger ist es in Pausen oder zu Beginn und gegen Ende des Schultags. Fast vier Fünftel sehen keine Möglichkeit, das Abstandsgebot aufrecht zu erhalten (siehe Grafik). Dazu ist es in manchen Schulen schlecht um die Hygienestandards bestellt. Fast jede dritte Lehrkraft bemängelt, dass es nicht genügend Waschmöglichkeiten, Seife und Einmalhandtücher gibt.

"Normalbetrieb" klappt nur mit mehr Investitionen in für krisenfeste Schulen
Der Start in den „Normalbetrieb“ im nächsten Schuljahr kann nur gelingen, wenn die Landesregierung ihre Hausaufgaben macht. Jahrelang wurde das System Schule kaputtgespart, nun ist es wacklig wie ein Kartenhaus. Bis zum Schuljahresbeginn braucht es einen Investitionsplan und Konzepte für unterschiedliche Infektionsgeschehen. Das Kultusministerium und die Schulträger müssen sicherstellen, dass Hygienepläne, Personalplanungen und Bauveränderungen so gestaltet sind, dass Schule für alle vor Ort stattfinden kann. Ebenso muss das Ministerium so viele Lehrkräfte und anderes pädagogisches Personal einstellen wie möglich Corona hat gezeigt, dass die Personaldecke viel zu dünn ist. Schulen benötigen krisenfeste Strukturen für die Zukunft. Davon profitieren Schülerschaft, Eltern und Lehrkräfte gleichermaßen!

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