Deutscher Gewerkschaftsbund

25.02.2021
#schlaglicht 07/2021

Energiewende: Windkraftausbau geht die Puste aus

Niedersachsen hat die besten Voraussetzungen, um Windkraftland Nr. 1 zu sein. Doch der Windenergieausbau ist innerhalb von drei Jahren um 90 Prozent eingebrochen. Die Zeche dafür zahlen die Beschäftigten und das Klima gleichermaßen. Was sich ändern muss, erläutert #schlaglicht 07/2021 aus Niedersachsen.

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Windräder und Rapsfeld

DGB/Jens Ickler/123rf.com

Niedersachsen hat die eisigen Temperaturen hinter sich gelassen. Von heute auf morgen wurden die Schneemassen vom heraufziehenden Frühling verdrängt. Nun ist zwar allgemein bekannt, dass Wetter nicht gleich Klima ist. Aber der plötzliche Umschwung könnte ein Omen für zukünftige Herausforderungen sein. Denn während im Moment verständlicherweise über eine behutsame Öffnungsstrategie aus dem Corona-Lockdown diskutiert wird, taucht am Horizont längst wieder die große Aufgabe auf: Der Umbau zu einer klimaneutralen Wirtschaft und Gesellschaft!

Energiewende muss sozial gerecht gestaltet werden
Klar ist: Soll es nicht zu einer ökologischen Krise kommen, darf es keine Verzögerungen gegeben. Das Zeitfenster zum Handeln wird immer kleiner. Die beschleunigte Reduktion der CO2-Emissionen muss höchste Priorität haben. Der Weg zur Nachhaltigkeit muss allerdings sozial gerecht ausgestaltet sein und darf niemanden zurücklassen. Dann bietet er für die Menschen und den niedersächsischen Industrie- und Dienstleistungsstandort viele Chancen.

Niedersachsen hat dafür beste Voraussetzungen
Für den Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen braucht es einen klugen Technologiemix. Ein elementarer Baustein ist dabei die Windkraft. Ohne die Nutzung dieser Quelle grünen Stroms ist die Energiewende nicht zu haben. Und Niedersachsen hat mit seiner frischen Brise gute Voraussetzungen, um dauerhaft Windkraftland Nr. 1 zu sein. Eigentlich.

Doch der Ausbau der Windkraft ist eingebrochen
Denn dem Ausbau der Windkraft ist fast vollständig die Puste ausgegangen. Schuld sind oft miese Rahmenbedingungen. Genehmigungsverfahren ziehen sich in die Länge und aus Angst vor Klagen stellen viele Kommunen zu hohe Auflagen. Fördergelder fließen kaum noch ab. Das Resultat: Nach dem Höchststand mit 485 neuen Anlagen an Land im Jahr 2017, hat es eine regelrechte Schrumpfkur gegeben. Im letzten Jahr kamen nur 48 Windenergieanlagen in Niedersachsen hinzu (siehe Grafik). Damit ist der Zubau innerhalb kürzester Zeit um 90 Prozent eingebrochen! Die Nulllinie ist nicht mehr weit entfernt. Es ist wenig tröstlich, dass es sich um einen bundesweiten Trend handelt.

Grafik "Brutto-Zubau an Windenergieanlagen an Land in Niedersachsen"

DGB

Die Zeche dafür zahlen die Beschäftigten und das Klima gleichermaßen. Obwohl der Windkraftbranche die Zukunft gehören sollte, sind bereits tausende Arbeitsplätze verlorengegangen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie das Land seine ökologischen Ziele erreichen soll. Niedersachsen will bis 2040 seinen Strombedarf aus erneuerbaren Energien decken. Der lahmende Ausbau lässt dies zweifelhaft erscheinen.

Bund und Land müssen ehrgeiziger handeln
Umso dringender muss ein Neustart her. Die Pläne des Bundeswirtschaftsministeriums haben bisher wenig bewirkt. Nötig sind ambitionierte Mindestausbauziele für die Windkraft sowie eine zügige und rechtssichere Ausweisung von Nutzungsflächen. Damit die Betriebe innovativ und zukunftsfähig bleiben, braucht es eine industriepolitische Flankierung des Landes durch Strukturfonds, Hilfen für Zulieferbetriebe oder – sofern erforderlich – Bürgschaften. Parallel müssen die Hersteller viel mehr auf gute Arbeit setzen. Dies würde den CO2-Ausstoß reduzieren sowie Wertschöpfung und Beschäftigung stärken. Also jetzt die Frischluft nutzen!


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