Deutscher Gewerkschaftsbund

24.02.2022
#schlaglicht 07/2022

Mit Landeswohnungsbaugesellschaft zu bezahlbarem Wohnen!

In den niedersächsischen Großstädten sind Mietwohnungen und Wohneigentum für Beschäftigte und ihre Familien oft nicht mehr bezahlbar. Die private Immobilien- und Wohnungswirtschaft ändert daran nichts. Für mehr bezahlbaren Wohnraum fordert das #schlaglicht 07/2022 daher die Gründung einer Landeswohnungsbaugesellschaft.

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Haus und Hochhaus Echt Gerecht

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Die neusten wohnungspolitischen Nachrichten sind mal wieder zum Abgewöhnen. Wie die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) berichtet, sind die Kaufpreise für Wohnimmobilien in Niedersachsens Landeshauptstadt 2021 weiter nach oben geklettert. Für ein Einfamilienhaus wurden im Stadtgebiet durchschnittlich 620.000 Euro aufgerufen. Mit 3.750 Euro pro Quadratmeter schlug eine neugebaute Eigentumswohnung im Umland zu Buche. Und es sind nur zwei Beispiele: Durch die Preisspirale kann sich die Mittelschicht auch in anderen Ballungsgebieten Wohneigentum immer weniger leisten.

Hohe Mietbelastung in niedersächsischen Großstädten

Nicht besser läuft es seit Jahren bei den Mieten. Durch ständig steigende Erst- und Wiedervermietungsmieten wird den Menschen enorm viel abverlangt. In den sechs größten niedersächsischen Städten – Hannover, Braunschweig, Oldenburg, Osnabrück, Wolfsburg und Göttingen – muss ungefähr die Hälfte aller Haushalte mehr als 30 Prozent ihres Einkommens für die Mietwohnung ausgeben (siehe Grafik). Sie gelten damit als finanziell überlastet! Obwohl viele Beschäftigte ordentlich verdienen, müssen sie trotzdem Abstriche in ihrer Lebensführung machen oder stehen kurz davor.

Zu wenig Wohnraum für Familien

Bisher konnte Neubau von Wohnungen diesen Trend nicht wirksam brechen. Zwar stimmt die Richtung: Nach einer Talsohle hat die Zahl der Fertigstellungen in der letzten Dekade sukzessive zugenommen. Zuletzt sind über 30.000 Wohnungen in Niedersachsen entstanden. Aber das Problem ist das Matching. In den urbanen Zentren werden überwiegend kleine Geschosswohnungen gebaut, während eigentlich mehr Nachfrage nach größerem Wohnraum für Familien, die in den Städten leben und arbeiten (möchten), besteht.

Grafik "Haushalte mit einer Mietbelastungsquote (bruttowarm) von über 30 Prozent"

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Eine zusätzliche Dynamik erhält das Thema auch durch den Wandel der Arbeitswelt. Der durch Corona verursachte Boom von mobilem Arbeiten und Homeoffice wird sich nicht mehr gänzlich zurückdrehen lassen. Viele Beschäftigte wissen die neue Flexibilität zu schätzen und möchten sie auch über die Pandemie hinaus bewahren. Dazu braucht es aber entsprechenden Platz im eigenen zu Hause. Mit einer kleinen Ecknische oder dem Küchentisch ist es auf Dauer nicht getan.

Wohnungswirtschaft liefert nicht

Die private Immobilien- und Wohnungswirtschaft scheint allerdings wenig geneigt zu sein, genug Wohnfläche zu dann auch bezahlbaren Preisen anzubieten. Zu vorzüglich laufen ihre Geschäfte. Es kann aber nicht die Aufgabe der gewerkschaftlichen Lohnpolitik sein, permanent den Ausputzer für diese soziale Schieflage zu spielen.

Landeswohnungsbaugesellschaft jetzt gründen

Genau deshalb sollte das Land Niedersachsen endlich eine eigene Landeswohnungsbaugesellschaft gründen. Als öffentliches Gegengewicht zum Privatsektor muss sie nicht für mehr Sozialwohnungen sorgen, sondern eben auch ein Angebot für Beschäftigte und ihre Familien im mittleren Einkommensbereich sein, die durch hohe Mieten in angespannten Wohnungsmärkten stark belastet sind. Dazu gehört auch, dass bei Wunsch und Bedarf die Möglichkeit bestehen sollte, über die Landeswohnungsbaugesellschaft den Menschen Wohneigentum zu bezahlbaren Preisen zur Verfügung zu stellen. Die Zeit drängt und der Startschuss muss jetzt fallen!


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